Erdölgeschäfte, Waffenverkäufe, saudische Investitionen und die Politik im Nahen Ostens schweissen die brutale Diktatur und Eliten der westlichen seit Jahrzehnten zusammen.Die (Nicht-)Reaktion auf den Tod Khasoggis zeigt der ganzen Welt, was der behaupteten westlichen Wertegemeinschaft wichtig ist. Der Hauptgrund ist das Öl. 1933 erwarben amerikanische Ölkonzerne in Saudiarabien erste Bohrlizenzen. Die gigantischen Vorkommen unter dem Sand des Wüstenreiches bezeichneten amerikanische Strategen nach dem Zweiten Weltkrieg als «grössten Schatz in der Geschichte der Menschheit». Preisgünstig zu fördern und qualitativ hochwertig, ermöglichte saudisches Öl den Wiederaufbau Westeuropas. Zu den Bohrtürmen und Raffinerien der Arabian-American Oil Company (Aramco) kamen bald auch US-Luftwaffenstützpunkte. Amerika, aber auch der übrige Westen, betrachten das Königshaus als unentbehrlichen Stabilitätsfaktor. Dass die Saudi immense Summen in den Export ihrer rückwärtsgewandten fundamentalistischen Religion des Wahhabismus in alle Welt steckten, nahmen die Amerikaner stets stillschweigend hin. Selbst die Anschläge vom 11. September 2001 konnten das Verhältnis der Saudi zu den Amerikanern nicht erschüttern. Dabei waren 15 der 19 Attentäter saudische Staatsbürger, und auch Konservative in Washington unterstellen dem Königshaus zumindest eine Mitwisserschaft. Das Königshaus finanzierte mit seinen Öleinnahmen in den USA ein breites Netzwerk, das von Lobbyisten und Politik-Instituten über die Wall Street und die Rüstungsindustrie bis ins Silicon Valley reicht. Trump selbst profitierte von Immobilienkäufen der Saudi. Noch näher mit dem Königshaus verbandelt ist die Familie Bush. Aber auch grosse Museen in den USA wie das Guggenheim nehmen gerne saudisches Geld an.

Der Fall Khashoggi: Weshalb die Amerikaner den Saudi alles durchlassen
Der Tod von Jamal Khashoggi trübt die Beziehung zwischen Riad und Washington. Doch die USA brauchen die Saudi mehr denn je.
von Andreas Mink, New York
Haben zusammen viel vor im Nahen Osten: Mohammed bin Salman, US-Präsident Donald Trump und Schwiegersohn Jared Kushner. (Riad, 20. Mai 2017) (Bild: Jonathan Ernst / Reuters)

Haben zusammen viel vor im Nahen Osten: Mohammed bin Salman, US-Präsident Donald Trump und Schwiegersohn Jared Kushner. (Riad, 20. Mai 2017) (Bild: Jonathan Ernst / Reuters)

Nun haben die Saudi doch gestanden – zumindest teilweise: Der Journalist Jamal Khashoggi ist tot, umgekommen im saudischen Konsulat in Istanbul. Laut der Freitagnacht publizierten saudischen Erklärung geriet er in einen Faustkampf mit Angestellten. Wochenlang hatten die Saudi andere Versionen über das Verschwinden des kritischen Journalisten verbreitet. Zunächst behauptete Riad, Khashoggi habe das Konsulat wieder verlassen. Dann: «ruchlose Mörder» hätten ihn getötet.

Auch die neuste Verlautbarung wirkt fadenscheinig. Vieles spricht dafür, dass Khashoggi im Konsulat auf brutalste Weise hingerichtet wurde. US-Präsident Donald Trump scheint allerdings ganz zufrieden mit der saudischen Erklärung. Sie sei ein «positiver, erster Schritt zu einer Aufklärung von Khashoggis Tod». Was auch immer herauskommt, für Trump ist schon heute klar, dass die Waffenverkäufe an den Golfstaat in der Höhe von 110 Milliarden Dollar nicht angetastet werden.

Der US-Präsident trägt die offenkundige Farce der Saudi zumindest vorerst mit. Dies offenbart eine grosse Abhängigkeit der USA von Saudiarabien. Erdölgeschäfte, Waffenverkäufe, saudische Investitionen und die Politik des gesamten Nahen Ostens schweissen die Länder seit Jahrzehnten zusammen.

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Die Beziehung währt seit Jahrzehnten. Der Hauptgrund ist das Öl. 1933 erwarben amerikanische Ölkonzerne in Saudiarabien erste Bohrlizenzen. Die gigantischen Vorkommen unter dem Sand des Wüstenreiches bezeichneten amerikanische Strategen nach dem Zweiten Weltkrieg als «grössten Schatz in der Geschichte der Menschheit». Preisgünstig zu fördern und qualitativ hochwertig, ermöglichte saudisches Öl den Wiederaufbau Westeuropas. (..)

So kamen zu den Bohrtürmen und Raffinerien der Arabian-American Oil Company (Aramco) bald auch US-Luftwaffenstützpunkte. Seither sind die Beziehungen nicht nur enger und vielschichtiger geworden. Die Gewichte haben sich auch verschoben – und zwar in Richtung Riad. War Saudiarabien bis in die 1970er Jahre abhängig von US-Know-how und -Schutz, so wurde das Königshaus seit der Verstaatlichung der Ölvorkommen 1976 ein gleichberechtigter Partner. Das Öl gab dem mittlerweile Tausende Mitglieder zählenden Clan der al-Saud Mittel, interne und externe Kontrahenten zu besänftigen und die eigene Macht zu erhalten. (..)

Blind für saudischen Extremismus

Amerika, aber auch der übrige Westen, betrachten das Königshaus als unentbehrlichen Stabilitätsfaktor. Nach dem Sturz des Schahs und der Gründung der Islamischen Republik in Iran wurde Riad neben Israel der wichtigste Verbündete der Amerikaner in der Region. Dass die Saudi immense Summen in den Export ihrer rückwärtsgewandten fundamentalistischen Religion des Wahhabismus in alle Welt steckten, nahmen die Amerikaner stets stillschweigend hin. Selbst die Anschläge vom 11. September 2001 konnten das Verhältnis der Saudi zu den Amerikanern nicht erschüttern. Dabei waren 15 der 19 Attentäter saudische Staatsbürger, und auch Konservative in Washington unterstellen dem Königshaus zumindest eine Mitwisserschaft.

Grund sind auch kluge saudische Investitionen. Das Königshaus finanzierte mit seinen Öleinnahmen in den USA ein breites Netzwerk, das von Lobbyisten und Politik-Instituten über die Wall Street und die Rüstungsindustrie bis ins Silicon Valley reicht. Trump selbst profitierte von Immobilienkäufen der Saudi. Noch näher mit dem Königshaus verbandelt ist die Familie Bush. Aber auch grosse Museen in den USA wie das Guggenheim nehmen gerne saudisches Geld an.

https://nzzas.nzz.ch/international/der-fall-khashoggi-weshalb-die-amerikaner-den-saudi-alles-durchlassen-ld.1429859

 

 

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