Blutspuren Khashoggis in saudischem Konsulat gefunden: Konsul flieht in das Land der salafistischen Diktatur: Wann sanktioniert die Weltgemeinschaft?

Fall Khashoggi: Saudischer Konsul in Istanbul setzt sich ab

Markus Bernath17. Oktober 2018, 05:59

Ermittler sollen bei der Durchsuchung des saudischen Konsulats Blutspuren des Journalisten Jamal Khashoggi gefunden haben

Montag und Dienstag suchten türkische Kriminologen nach Spuren für die Ermordung des prominenten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi. Sie nahmen Bodenproben im Garten des saudischen Konsulats, ließen Hunde schnüffeln. Am Ende sollen sie Blutspuren des 59-jährigen Khashoggi gefunden haben.

Vor zwei Wochen war er zu einem Termin in das Konsulat im Istanbuler Stadtteil Levent gegangen und nie wieder herausgekommen. Die Erklärungsnot, in der die saudi-arabische Führung steckt, ist seither immer größer geworden. Mohammad al-Otaibi, der Generalkonsul, flüchtete via Linienflug am Dienstagnachmittag in die Heimat, meldeten türkische Medien.

Eine Knochensäge, Blut im Abwassersystem des saudischen Konsulats in Istanbul, angebliche Tonaufnahmen eines politischen Mordes: So viel Aufmerksamkeit hat sich Saudi-Arabiens ehrgeiziger junger Machthaber dann doch nie gewünscht. Kronprinz Mohammed bin Salman (MbS) steht wegen der mutmaßlichen Ermordung des kritischen Journalisten Khashoggi immer stärker im internationalen Rampenlicht.

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Der Sturz des skrupellosen 33-jährigen Thronfolgers beginnt nun ein denkbares, wenn auch ultimatives Szenario zu werden. Die grausige Khashoggi-Affäre setzt das saudische Königshaus unter enormen Druck der Weltöffentlichkeit.

Medien: Verdächtiger aus Kronprinzumfeld

Laut einem US-Medienbericht sollen Verdächtige dem Umfeld von Kronprinz Mohammed bin Salman angehören. So habe ein Verdächtiger namens Maher Abdulaziz Mutreb den saudi-arabischen Kronprinzen in diesem Jahr bei Reisen in die USA, nach Spanien und Frankreich begleitet, berichtete die „New York Times“ am Dienstagabend.

Möglicherweise handle es sich um einen Leibwächter. Drei andere Verdächtige würden ebenfalls dem Sicherheitsdienst des Kronprinzen zugerechnet, schreibt die „New York Times“. Bei einem weiteren Verdächtigen handle es sich um einen Gerichtsmediziner, der in Saudi-Arabien hohe Ämter bekleidet habe. Von den 15 Verdächtigen, welche die türkischen Behörden ausgemacht haben, hätten mindestens neun für saudi-arabische Sicherheitsdienste, die Armee oder Ministerien gearbeitet.

Die „New York Times“ beruft sich bei ihren Angaben auf Software zur Gesichtserkennung, eine Datenbank mit saudi-arabischen Handy-Nummern, öffentlich gewordene saudi-arabische Regierungsdokumente, Zeugenaussagen und Medienberichte.

Pompeo in Riad

US-Außenminister Mike Pompeo landete am Dienstag zu einem schnellen Besuch in Riad bei König Salman. Der kränkliche, 82 Jahre alte Vater, nicht sein Sohn Mohammed, ist jetzt der Ansprechpartner von US-Präsident Donald Trump und des türkischen Staatschefs Tayyip Erdogan. Beide drängen auf Aufklärung über das Schicksal Khashoggis, wobei Erdogan vor Journalisten weitere mögliche Indizien für einen Mord im saudischen Konsulat in Istanbul auftürmte. Nach Spuren von Gift werde im Gebäude gesucht, so sagte er; „Materialien“ seien entfernt und Stellen übermalt worden.

US-Präsident Trump berichtete später von einem Gespräch mit „MbS“. Dieser habe glaubhaft gemacht, er wisse von nichts, aber dennoch baldige Antworten versprochen. Er kündigte eine „vollständige“ Untersuchung an. Laut Trump muss im Fall Khashoggis auch für Riad die Unschuldsvermutung gelten. „Jetzt wird wieder gesagt: ‚Du bist schuldig, bis deine Unschuld bewiesen ist'“, kritisierte Trump gegenüber der US-Nachrichtenagentur AP am Dienstag. „Ich mag das nicht.“

Trump zog dabei Parallelen zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den neuen Supreme-Court-Richter Brett Kavanaugh. Auch Kavanaugh habe sich in seinen Augen als „unschuldig“ erwiesen, sagte der Präsident. Im Fall Khashoggi müsse jetzt erst einmal herausgefunden werden, was passiert sei.

Pompeo sprach von einem „ernsthaften Zusage“ vonseiten Saudi-Arabiens, die Verantwortlichen in dem Fall auszumachen.

foto: ap / jacquelyin martin
Proteste vor der saudischen Botschaft in Washington: Die mutmaßliche Ermordung Jamal Khashoggis, eines Kolumnisten der „Washington Post“, bringt das saudische Königreich in große Erklärungsnot.

Nach inoffiziellen türkischen Angaben geriet Khashoggi bei einem Termin im Konsulat in eine Falle. Ein Mordkommando aus Saudi-Arabien folterte den Kolumnisten der Washington Post und brachte ihn um, während Khashoggis Verlobte vor dem Konsulat auf ihn wartete. Khashoggis Leiche soll dann rasch zerstückelt, in Schachteln mit einem Dienstwagen aus dem Konsulat gebracht und schließlich mit einem Privatjet ausgeflogen worden sein.

König Salmans Versicherung, seine Regierung habe nichts mit dem Verschwinden Khashoggis zu tun, isoliert nur seinen bevorzugten Sohn, den Kronprinzen, der doch die politischen Geschäfte im Königreich führt und den Sicherheitsapparat völlig unter Kontrolle haben soll. Pompeos Gespräch mit dem König dauerte nur eine Viertelstunde.

Vom angeblich halben Geständnis der Saudis, über das CNN berichtet hatte, und der Version eines Verhörs, das „falsch“ lief und mit der Ermordung Khashoggis endete, war bis dahin nichts offiziell verlautet. (Markus Bernath, 16.10.2018)

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