Das Verschwinden des saudischen Jounalisten und die bisherigen Reaktionen auf seine mutmaßliche Ermordung! Kann der salafistischen Diktatur, die Oppositionelle immer brutaler verfolgt und Jemen mit Bomben überzieht jetzt Einhalt geboten werden?

Der mutmassliche Tatort: das saudische Konsulat in Istanbul. (Bild: Petros Giannakouris / AP Photo)

Der mutmassliche Tatort: das saudische Konsulat in Istanbul. (Bild: Petros Giannakouris / AP Photo)

Der Fall Khashoggi – eine Chronologie der Ereignisse
Der saudische Journalist und Regierungskritiker Jamal Khashoggi ist verschwunden. Letztmals war er beim Betreten des saudischen Konsulats in Istanbul gesehen worden, wo er mutmasslich umgebracht wurde.
Fabian Urech
28. September

Jamal Khashoggi besucht an jenem Freitag das saudische Konsulat in Istanbul, um eine Bestätigung der Scheidung von seiner saudischen Ex-Frau zu erhalten. Diese benötigt er, um seine türkische Verlobte, Hatice Cengiz, heiraten zu können.

Laut Angaben von Cengiz und eines Freundes teilt ihm ein Konsulatsmitarbeiter mit, er könne das Dokument in der darauffolgenden Woche abholen. Über das Wochenende nimmt Khashoggi an einer Konferenz in London teil. Laut der «New York Times» teilt er dem Konsulat von dort aus telefonisch mit, er werde das gewünschte Dokument am Dienstag, 2. Oktober, abholen.

2. Oktober

Eine Überwachungskamera hält fest, wie Khashoggi am frühen Nachmittag das saudische Konsulat in Istanbul betritt. Seither gilt er als verschwunden.

Khashoggi (im schwarzen Sakko) beim Betreten des saudischen Konsulats in Istanbul. (Bild: EPA)

Khashoggi (im schwarzen Sakko) beim Betreten des saudischen Konsulats in Istanbul. (Bild: EPA)

Gemäss aus Ermittlerkreisen durchgesickerten Informationen traf am frühen Morgen desselben Tages eine Gruppe von 15 saudischen Agenten in zwei Flugzeugen aus Riad in Istanbul ein. Das mutmassliche Sonderkommando soll laut den Angaben türkischer Behörden das saudische Konsulat zu derselben Zeit besucht haben, wie Khashoggi dort anwesend war.

Cengiz wartet vor dem Konsulat auf ihren Verlobten. Als Khashoggi auch nach mehreren Stunden nicht auftaucht, informiert sie die Polizei.

3. Oktober

Cengiz kehrt zum saudischen Konsulat zurück, von ihrem Verlobten fehlt aber weiterhin jede Spur. Verschiedene Medien – darunter die Nachrichtenagentur Reuters und die «Washington Post» – vermelden, der saudische Journalist sei verschwunden.

Die saudischen Behörden veröffentlichen eine Erklärung: Khashoggi werde vermisst, er habe das Konsulat tags zuvor jedoch verlassen. Die türkischen Behörden teilen derweil mit, Khashoggi befinde sich immer noch in dem Konsulatsgebäude.

Wer ist Jamal Khashoggi? Ein Porträt des saudischen Journalisten
Gerald Hosp
4./5. Oktober

In Ankara wird der saudische Botschafter einbestellt. Die türkische Regierung fordert von Riad eine Erklärung über den Verbleib Khashoggis.

In einem Interview mit Bloomberg sagt der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, man werde den türkischen Behörden gestatten, das Konsulat in Istanbul zu durchsuchen. Khashoggi habe das Gebäude verlassen, bevor er verschwunden sei. «Wir haben nichts zu verstecken», beteuert Salman.

20 km
6./7. Oktober

Laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf Quellen in der türkischen Regierung beruft, geht Ankara davon aus, dass Khashoggi in dem saudischen Konsulat getötet wurde. Offiziell bestätigt die türkische Regierung lediglich, dass eine Untersuchung eröffnet wurde.

Verschiedene türkische und internationale Medien berichten nun davon, Khashoggi sei in dem Konsulat gefoltert und umgebracht worden. Ein Vertreter der türkischen Regierungspartei AKP erklärt gegenüber CNN Türk, Ankara verfüge über Beweise für die Ermordung Khashoggis. Saudiarabien weist diese Vorwürfe entschieden zurück.

8./9. Oktober

Der Druck auf Riad wächst. Nach langem Schweigen äusserst sich die amerikanische Regierung zu dem Fall. «Wir rufen die Regierung Saudiarabiens auf, eine gründliche Untersuchung des Verschwindens von Herrn Khashoggi zu unterstützen», sagt der amerikanische Aussenminister Mike Pompeo. Vizepräsident Mike Pence schreibt, er sei «tief beunruhigt» über das Verschwinden des Journalisten. Die USA erwarteten zudem von Riad Transparenz in dieser Untersuchung.

Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan fordert, die saudischen Behörden müssten für ihre Version der Ereignisse Beweise liefern. Wenn Saudiarabien behaupte, der Journalist habe das Konsulat in Istanbul lebend verlassen, «dann müssen die zuständigen Behörden das beweisen», sagte Erdogan. Um die Dringlichkeit der Forderung zu unterstreichen, wird der saudische Botschafter in Ankara zum zweiten Mal innerhalb einer Woche einbestellt.

Türkische Ermittler erhalten die Erlaubnis, das saudische Konsulat in Istanbul zu durchsuchen. Die saudischen Behörden hätten einem entsprechenden Gesuch Ankaras stattgegeben, teilt das türkische Aussenministerium mit.

In einer Talkshow des in London ansässigen Fernsehsenders al-Hewar wird ein Porträtbild Khashoggis auf einen leeren Stuhl gestellt. Der saudische Journalist wäre eingeladen gewesen, an der Gesprächsrunde am 11. Oktober teilzunehmen. (Bild: Mucahid Yapici / AP Photo)

In einer Talkshow des in London ansässigen Fernsehsenders al-Hewar wird ein Porträtbild Khashoggis auf einen leeren Stuhl gestellt. Der saudische Journalist wäre eingeladen gewesen, an der Gesprächsrunde am 11. Oktober teilzunehmen. (Bild: Mucahid Yapici / AP Photo)

Die «New York Times» berichtet unter Berufung auf türkische Sicherheitskreise, das 15-köpfige Team saudischer Agenten habe Khashoggi in dem Konsulat getötet, seinen Körper danach mit einer Knochensäge zerstückelt und die sterblichen Überreste mutmasslich in Koffern aus dem Konsulat geschafft.

10. Oktober

Die Hinweise auf einen Mord verdichten sich. Laut einem Bericht des türkischen Regierungsblatts «Sabah» konzentrieren sich die Ermittlungen der Türkei vor allem auf die 15 Männer, die Khashoggi umgebracht haben sollen. Gemäss dem Bericht und Videoaufnahmen, die im türkischen Fernsehen gezeigt werden, sollen – zweieinhalb Stunden nachdem Khashoggi das Konsulat betreten hatte – sechs Autos mit den 15 saudischen Regierungs- und Geheimdienstmitarbeitern das Konsulatsgelände verlassen haben.

Der Van, der Khashoggis Leiche transportiert haben soll, vor der Residenz des saudischen Generalkonsuls in Istanbul. (Bild: EPA)

Der Van, der Khashoggis Leiche transportiert haben soll, vor der Residenz des saudischen Generalkonsuls in Istanbul. (Bild: EPA)

Ein schwarzer Mercedes Vito mit verdunkelten Scheiben und ein weiteres Fahrzeug seien zur 200 Meter entfernten Residenz des Generalkonsuls gefahren, wo sie vier Stunden geblieben seien. Den türkischen Mitarbeitern des saudischen Konsulats sei an jenem Tag überraschend mitgeteilt worden, sie hätten nicht zum Dienst zu erscheinen, schreibt «Sabah».

11./12. Oktober

Video- und Tonaufnahmen aus dem saudischen Konsulat sollen die Ermordung Khashoggis belegen. Die «Washington Post» zitiert eine anonyme Quelle, die Kenntnis von den Aufnahmen haben soll. Demnach belegen die Bänder, dass Khashoggi erst verhört, dann gefoltert und schliesslich getötet wurde.

Kommentar
Saudischer Staatsterror ist der Preis des Wegschauens
Christian Weisflog

Die regierungsnahe türkische Tageszeitung «Milliyet» berichtet ebenfalls von Tonaufnahmen, auf denen heftige Auseinandersetzungen und Schreie zu hören seien. Die Aufnahmen stammen laut dem Bericht von Khashoggis Smart Watch, die er beim Betreten des Konsulats getragen haben soll. Diese sei mit einem Mobiltelefon ausserhalb des Konsulats gekoppelt gewesen.

13. Oktober

Der amerikanische Präsident Donald Trump droht Riad mit «schweren Strafen», sollten sich die Berichte über Khashoggis Ermordung bestätigen. In einem Interview deutet Trump an, dass er den vermissten saudiarabischen Journalisten für tot hält. Das laufende 110-Milliarden-Dollar-Rüstungsgeschäft mit den Saudi soll von etwaigen Sanktionen indes nicht betroffen sein.

Die Türkei wirft Saudiarabien vor, bei den Untersuchungen nicht ausreichend zu kooperieren. Aussenminister Mevlüt Cavusoglu fordert Riad erneut dazu auf, türkischen Ermittlern Zugang zum Konsulat in Istanbul zu gewähren. Trotz gegenteiliger Zusicherung gestattete Saudiarabien bisher den Zugang zum Konsulat nicht.

In einem Interview deutet Trump an, dass er den vermissten saudischen Journalisten für tot hält. (Bild: Evan Vucci / AP Photo)

In einem Interview deutet Trump an, dass er den vermissten saudischen Journalisten für tot hält. (Bild: Evan Vucci / AP Photo)

14. Oktober

Riad reagiert erbost auf die Sanktionsdrohung aus Washington. Das Königreich werde «jedwede Massnahme mit einer grösseren beantworten», zitiert die staatliche Nachrichtenagentur SPA eine amtliche Quelle. Das Königreich weise jeglichen Versuch zurück, der darauf abziele, es durch Androhung wirtschaftlicher Sanktionen oder politischen Drucks zu schwächen, hiess es aus Riad. Wegen der Drohung aus Washington erlebt die saudische Börse am Sonntag den schlimmsten Kurseinbruch seit drei Jahren. Die Aktien sackten zeitweilig um sieben Prozentpunkte ab.

In einer gemeinsamen Erklärung fordern die Aussenminister Deutschlands, Frankreichs und Grossbritanniens Saudiarabien eindringlich dazu auf, das Verschwinden Khashoggis aufzuklären. «Wir nehmen diesen Vorfall überaus ernst», heisst es darin. Erwartet werde «eine detaillierte und umfassende Antwort» der saudiarabischen Regierung.

Erstmals seit Khashoggis Verschwinden spricht der türkische Präsident Erdogan mit dem saudischen Kronprinzen Salman. Bei dem Telefonat am Sonntagabend soll es laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu um die Gründung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe gegangen sein, die den Fall gründlich untersuchen soll.

https://www.nzz.ch/international/der-fall-khashoggi-eine-chronologie-der-ereignisse-ld.1428258

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