Freunde Khashoggis, die sich eine Aufklärung wünschen, fürchten einen sich anbahnenden Kuhhandel. Die Saudis würden hinter verschlossenen Türen vielleicht sogar etwas zugeben, verbunden mit einer Reinwaschung der saudischen Führung, namentlich des Kronprinzen Mohammed bin Salman. In Berlin stößt die erst spät und zögerliche Aufforderung der Bundesregierung zur Aufklärung auf Protest

Verschwinden von Jamal Khashoggi: Möglicher Kuhhandel

Kommentar Gudrun Harrer
12. Oktober 2018

Kein Land lässt sich gerne in die Karten schauen

Zum Verschwinden des Publizisten Jamal Khashoggi im saudischen Generalkonsulat in Istanbul wird es eine gemeinsame türkisch-saudische Untersuchung geben: Das hat Saudi-Arabien vorgeschlagen, und die Türkei ist auf den Wunsch eingegangen. Präsident Tayyip Erdogan hat zwar seine Medien gegen Riad, das des Mordes an Khashoggi verdächtigt wird, von der Leine gelassen, die eigenen Schritte setzt er jedoch vorsichtig.

Freunde Khashoggis, die sich eine Aufklärung wünschen, fürchten einen sich anbahnenden Kuhhandel. Die Saudis würden hinter verschlossenen Türen vielleicht sogar etwas zugeben, verbunden mit einer Reinwaschung der saudischen Führung, namentlich des Kronprinzen Mohammed bin Salman.

Entgleiste Geheimdienste, so etwas kommt immer wieder vor. Aber warum sollte Erdogan darauf eingehen? Der höchste Preis, den er von Riad verlangen könnte, wäre ein Nachgeben in der Katar-Krise. Eine wahrscheinlichere Variante ist eine – von der Türkei dringend benötigte – „wirtschaftliche Kooperation“.

Wie gesagt, das sind Spekulationen. Was bei der türkischen Zurückhaltung, die Informationen aus dem Konsulat auf den Tisch zu legen, mit Sicherheit auch mitspielt, sind geheimdienstliche Erwägungen: Wenn man sieht, was die Türken haben, kann man rekonstruieren, wie sie es bekamen – in einer fremden diplomatischen Einrichtung. Da lässt sich kein Land gerne in die Karten schauen.

(Gudrun Harrer, 12.10.2018) – derstandard.at/2000089228957/Verschwinden-von-Jamal-Khashoggi-Moeglicher-Kuhhandel

Saudi isolation grows over Khashoggi disappearance

Business elites withdraw from summit as Turkish officials claim to have consulate tapes

https://www.theguardian.com/world/2018/oct/12/saudi-isolation-grows-over-khashoggi-disappearance

Saudi-Arabien schickte am Freitag eine Delegation in die Türkei – mit dem erklärten Ziel, bei den Ermittlungen zu helfen. Keinen Tag später lobte das saudischen Innenministerium die gute Zusammenarbeit mit den „Brüdern in der Türkei“ in einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe und über „andere offizielle Kanäle“. Ergänzt um die Mahnung, Medien dürften weder die Ermittler noch die Justiz in ihrem Versuch behindern, „die volle Wahrheit“ über Khashoggi Verschwinden herauszufinden.

Deutsche Politiker scheinen auf die Verlautbarungen aus Riad nicht viel zu geben. „Außenminister (Heiko) Maas muss beim saudischen Botschafter mit Nachdruck eine lückenlose Aufklärung fordern“, sagte der stellvertretende FDP-Fraktionschef Alexander Graf Lambsdorff dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Sollte der Journalist tatsächlich wegen seiner regierungskritischen Haltung ermordet worden sein, wäre dies „ein grausames Element der saudischen Außenpolitik“.

Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour äußerte sich ähnlich. „Es kann nicht sein, dass Deutschland bei der Verteidigung von Journalisten sogar hinter den Saudi-Freund Donald Trump zurückfällt“, kritisierte der Bundestagsabgeordnete. „Der Fall Khashoggi zeigt deutlich, warum Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien verantwortungslos sind: Die aggressive Politik des Königshauses nach innen und nach außen wirkt destabilisierend.“

https://www.n-tv.de/politik/Trump-will-sich-in-Fall-Khashoggi-einschalten-article20669223.html

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