Experten sehen keine Chance auf Rückkehr zum Frieden in Syrien: Alle Seiten, die in Syrien derzeit tätig sind, sind zu schwach, um das Land alleine zu kontrollieren – und einen Kompromiss zu schließen falle ihnen noch schwerer. „Das Regime hat den Krieg gewonnen, aber es ist zugleich so schwach, dass die Verbündeten es nicht verlassen können. Bashar al-Assad kontrolliere zwar über Umwege wieder viele Teile des Landes, in einigen sei aber der „Islamische Staat“ (IS) noch aktiv, andere stünden insgesamt noch unter der Kontrolle anderer Jihadisten, der Türkei, des Iran, der Hisbollah, Russlands, der USA oder der Kurden. Die Gegner erhalten noch immer die Unterstützung der USA und der EU. „Diese beiden Mächte sind zwar in Syrien nicht stark genug zu gewinnen, aber sie könnten Spoiler des Friedens werden. Dafür sind sie stark genug.“

Auf Syriens Krieg wird wohl kein Frieden folgen

Manuel Escher11. Oktober 2018, 11:37

Experten sehen auch nach einem Ende des Bürgerkriegs massives Eskalationspotenzial in Syrien und der Region

Wien – Der Krieg in Syrien ist vorbei. Zwar nicht jetzt, noch immer sterben jeden Tag zahlreiche Menschen, aber zumindest bald. Dass es mit dem Sterben dann vorbei sein wird, ist freilich nicht gesagt. Denn ob dem Krieg, den aller Voraussicht nach das Assad-Regime gewinnen wird, ein Friede folgt, ist alles andere als sicher. In Wien beraten Experten dieses Wochenende auf akademischer Ebene darüber, was in Syrien passiert, wenn die Waffen – zumindest großteils – schweigen. Einen Vorgeschmack auf die Diskussionen gab es Mittwochabend im Wiener Kreisky-Forum, wo Fachleute aus Russland, Israel, den USA und Europa unter Moderation von STANDARD-Nahost-Expertin Gudrun Harrer ihre Ausgangspositionen absteckten.

Das Problem, so der Tenor: Alle Seiten, die in Syrien derzeit tätig sind, seien zu schwach, um das Land alleine zu kontrollieren – und einen Kompromiss zu schließen falle ihnen noch schwerer. „Das Regime hat den Krieg gewonnen“, sagte der Nahost-Programmdirektor der International Crisis Group, Joost Hiltermann, „aber es ist zugleich so schwach, dass die Verbündeten es nicht verlassen können.“ Bashar al-Assad kontrolliere zwar über Umwege wieder viele Teile des Landes, in einigen sei aber der „Islamische Staat“ (IS) noch aktiv, andere stünden insgesamt noch unter der Kontrolle anderer Jihadisten, der Türkei, des Iran, der Hisbollah, Russlands, der USA oder der Kurden. Würden nun etwa der Iran, Russland und die Hisbollah – die Unterstützer Assads – abziehen, drohe dem Regime bald wieder Gefahr. Zugleich hätten die Gegner noch immer die Unterstützung der USA und der EU. „Diese beiden Mächte sind zwar in Syrien nicht stark genug zu gewinnen, aber sie könnten Spoiler des Friedens werden. Dafür sind sie stark genug.“

Viergeteiltes SyrienWladimir Saschin von der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau sah hingegen überhaupt die Gefahr einer Vierteilung des Landes. „Ein Syrien wie vor 2011 gibt es nicht mehr und wird es nicht mehr geben“, sagte er, „es gibt auch keine gemeinsame Sicht der Akteure auf die syrische Zukunft.“ Er gehe daher davon aus, dass es künftig einen US-kurdisch kontrollierten Osten, einen von Assad gehaltenen Westen mit russischen Basen, eine Region um Idlib unter türkischer Kontrolle und einen vom Iran und dem Assad-Regime gemeinsam beaufsichtigten Rest geben werde. Das sei freilich nur seine eigene Meinung, kein Wunsch, betonte er dann, es sei auch nicht Sicht seiner Akademie, und schon gar nicht könne man aus seinen Äußerungen eine Idealvorstellung des Kreml ableiten. – derstandard.at/2000089106552/Auf-Syriens-Krieg-wird-wohl-kein-Frieden-folgen

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