30 Jahre lang zündete Frankreich Atombomben auf dem Mururoa-Atoll und verstrahlte radioaktiv viele Polynesier: Die klagen jetzt die Europäer vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag an. Eine der Atombomben, die die Nation, die sich offiziell als Mutter der Menschenrechte deklariert, im Südpazifik gezündet hat, hatte die 37fache Strahlkraft der US-Bombe auf Hiroschima. Rund 150.000 zivile und militärische Mitarbeiter nahmen an den rund 210 Tests im Laufe der Jahre teil, zudem war die Zivilbevölkerung der Strahlung ausgesetzt, im Südpazifik und auch in Algerien. Diese Klage „sind wir all den Menschen schuldig, die als Folge des Atomkolonialismus gestorben sind“

Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Klage gegen Frankreich vor dem Strafgerichtshof in Den Haag

22 Jahre nach dem letzten Atomtest muss Frankreich sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof rechtfertigen. Polynesische Aktivisten haben Klage eingereicht.
Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Nach der Explosion einer französischen Atombombe 1971 schwebt dieser riesige Atompilz über dem Mururoa-Atoll.
Nach der Explosion einer französischen Atombombe 1971 schwebt dieser riesige Atompilz über dem Mururoa-Atoll. © dpa

Wegen seiner früheren Atomtests im Südpazifik ist Frankreich vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verklagt worden. „Das sind wir all den Menschen schuldig, die als Folge des Atomkolonialismus gestorben sind“, sagte der polynesische Unabhängigkeitsaktivist Oscar Temaru in New York. Temaru vertritt eine Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten aus dem Südpazifikraum, die Frankreich aufgrund der durchgeführten Atomtests in der Region Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorwerfen.

Mit der bereits am 2. Oktober in Den Haag eingereichten Klage sollten alle noch lebenden französischen Präsidenten zur Rechenschaft gezogen werden, sagte der frühere Präsident von Französisch-Polynesien. „Für uns sind die französischen Atomversuche die direkte Folge einer Kolonialisierung. Anders als von Frankreich behauptet, haben wir nicht akzeptiert, dass die Tests bei uns vorgenommen werden. Sie wurden uns mit der Drohung der Einrichtung einer Militärregierung aufgedrängt.“ Die Anklage richtet sich gegen die ehemaligen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing sowie Jacques Chirac. Das Programm stellte Frankreich 1996 ein, nachdem Umweltaktivisten jahrelang dagegen protestiert hatten.

Frankreich hatte zwischen 1966 und 1996 auf dem Mururoa-Atoll und dem Fangataufa-Atoll in Französisch-Polynesien 193 Atomwaffentests unternommen. Zahlreiche Krebserkrankungen in der Region werden mit den umstrittenen Tests in Verbindung gebracht. 2010 wurde per Gesetz ein Mechanismus für Entschädigungen eingerichtet. Opferverbänden geht das aber nicht weit genug.

https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-10/verbrechen-gegen-menschlichkeit-frankreich-atomtests-suedpazifik-verklagt-strafgerichtshof

Das verstrahlte Paradies

Blitze über der Südsee, Plutonium in der Lagune, verstrahlte Polynesier – 30 Jahre lang zündete Frankreich Atombomben auf dem Mururoa-Atoll.

is ans Ende der Welt war der französische Präsident gereist, in die Südsee, 20.000 Kilometer von Paris entfernt, zu einem einsamen, unbewohnten Atoll. Doch jetzt, im entscheidenden Moment, durfte Charles de Gaulle nicht hinsehen, trotz seiner dunklen Schutzbrille.

40 Kilometer entfernt von ihm schwebte eine kühlschrankgroße Metallkiste, an einem Ballon 500 Meter über der Lagune des Mururoa-Atolls. Darin befand sich der ganze Stolz des Präsidenten: eine Atombombe mit einer Sprengkraft von 500 Kilotonnen, etwa 37 Mal so stark wie die von Hiroshima – und noch stärker als Frankreichs Sprengsätze zuvor.

Aufräumtrupps in kurzen Hosen

Die Einheimischen blieben unwissend über die Gefahren, die Frankreich verschwieg. Viele Polynesier, zumeist arme Fischer, sahen das Atomzeitalter als Chance: viele neue Jobs und traumhafte Monatsgehälter! Auf Mururoa gab es eine Zone de vie. Dort wohnten Angestellte des Atomwaffenprogramms in gepflegten Anlagen, gingen ins Kino, fuhren Kanu, spielten Tennis oder Fußball – wie im „Klub Med“, witzelten manche.

http://www.spiegel.de/einestages/mururoa-wie-frankreich-atombomben-auf-dem-atoll-testete-a-1100371.html

Frankreich testete bis 1996 seine Atomwaffen in der Südsee. Wissenschaftler sehen jetzt den Zusammenhang zwischen Krebsfällen und der radioaktiven Strahlung als „wahrscheinlich“ an.

Bestimmte Krebskrankheiten bei  französischen Soldaten sind „wahrscheinlich“ durch die  französischen Atomwaffentests in Algerien und Französisch-Polynesien ausgelöst worden. Das geht aus einem medizinischen Gutachten hervor, das der Experte Florent de Vathaire  im Rahmen einer Untersuchung der Justiz erstellte, wie die Zeitung „Le Parisien“ berichtete.

Frankreich testete Anfang der 1960er Jahre in der algerischen Sahara und bis 1996 in Französisch-Polynesien in der Südsee seine Atomwaffen. Rund 150.000 zivile und militärische Mitarbeiter nahmen an den rund 210 Tests im Laufe der Jahre teil, zudem war die Zivilbevölkerung der Strahlung ausgesetzt.

Der Experte plädierte für eine rasche Untersuchung der Einwohner von Französisch-Polynesien, die zum Zeitpunkt der Tests unter fünf Jahre alt waren. Denn inzwischen sei sicher, dass schon geringe Strahlenmengen bei kleinen Kindern schwere Auswirkungen auf die Schilddrüse haben könnten.

https://www.welt.de/gesundheit/article108313308/Krebsfaelle-wahrscheinlich-von-Atomtests-ausgeloest.html

 

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