Soll Deutschland seine Schulden aus der Zeit der rechtsradikalen Diktatur an Griechenland zurückzahlen in ein Zeichen der Versöhnung geben? Steinmeier besucht in Griechenland das ehemaligen Konzentrationslagers Chaidari nahe Athen, wo während der deutschen Besatzung viele tausend griechische Juden, Kommunisten und andere Oppositionelle festgehalten wurden. Für viele war Chaidari ein Durchgangslager auf dem Weg nach Auschwitz oder in andere Vernichtungsorte. Während des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzung starben nach griechischen offiziellen Angaben rund 300.000 Menschen. Deutschland zwang Griechenland zur Zahlung eines Kredits von umgerechnet etwa zehn Milliarden Euro und hat ihn bis heute nicht zurückgezahlt. Der Vorsitzende der deutsch-griechischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Gregor Gysi: „Meines Erachtens ist die Bundesrepublik für dieses Darlehen immer noch haftbar.“ Die entscheidende Frage sei die Höhe der Zinsen. „Die Bundesregierung sollte aus rechtlichen, politischen und moralischen Gründen sagen, wir zahlen das Darlehen zurück und bieten Verhandlungen über die Zinsen an.“ Und: Deutschland macht 2,9 Milliarden Euro Gewinn mit Griechenland-Hilfe

Griechenland fordert weiter Reparationen von Deutschland – Gregor Gysi macht Vorschlag für Zwangskredit

Griechenland hält an Reparationszahlungen von Deutschland fest. Laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung haben sich die Forderungen sogar noch erhöht. Indes zeigt Gregor Gysi Verständnis für das Anliegen der Griechen und bietet eine eigene Lösung an. Das dürfte den Griechenland-Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nicht einfacher machen.

Vor dem Staatsbesuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Griechenland sorgt ein Bericht der „Bild-Zeitung“ für Wirbel. Laut einer bislang unter Verschluss gehaltenen Studie einer Kommission des griechischen Parlaments, die der Zeitung vorliegt, werden die Ansprüche des Landes insgesamt mit bis zu 376 Milliarden Euro beziffert. Bislang wurden die Forderungen zwischen 269 und 332 Milliarden Euro veranschlagt.

Steinmeier beginnt sein Programm dann am Donnerstagmorgen mit dem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Chaidari nahe Athen, wo während der deutschen Besatzung viele tausend griechische Juden, Kommunisten und andere Oppositionelle festgehalten wurden. Für viele war Chaidari ein Durchgangslager auf dem Weg nach Auschwitz oder in andere Vernichtungsorte.

Es wird damit gerechnet, dass die umstrittene Forderung nach Reparationszahlungen für die Zeit der Besatzung erneut vorgebracht wird. Das Thema belastet die deutsch-griechischen Beziehungen seit Jahrzehnten.

Deutschland hält Angelegenheit für erledigt

Die Bundesregierung hält das Thema durch ein Abkommen von 1960 für rechtlich erledigt. Bewegung wird nicht erwartet, für die griechische Seite haben die Forderungen auch eine innenpolitische Bedeutung – 2019 wird das Parlament neu gewählt.

Auch die Rückzahlung einer Zwangsanleihe von umgerechnet etwa zehn Milliarden Euro wird immer wieder gefordert. Während des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzung starben nach griechischen offiziellen Angaben rund 300.000 Menschen.

Gysi für Rückzahlung des Zwangskredits

In Bezug auf den Kredit äußerte Linken-Politiker Gregor Gysi Verständnis für die finanziellen Forderungen aus Athen. „Mir liegt ein bisschen auf der Seele, dass das damals besetzte Griechenland vom Nazi-Regime zur Zahlung eines Zwangskredits verpflichtet wurde“, sagte der Vorsitzende der deutsch-griechischen Parlamentariergruppe im Bundestag den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Meines Erachtens ist die Bundesrepublik für dieses Darlehen immer noch haftbar.“

Die entscheidende Frage sei die Höhe der Zinsen, sagte Gysi weiter. „Die Bundesregierung sollte aus rechtlichen, politischen und moralischen Gründen sagen, wir zahlen das Darlehen zurück und bieten Verhandlungen über die Zinsen an.“ Nach griechischen Angaben würde sich der zu zahlende Betrag auf etwa zehn Milliarden Euro belaufen.

„Ich wäre dem Bundespräsidenten sehr dankbar, wenn er ein Zeichen setzt, dass wir die Spannungen aus der Euro-Krise zwischen beiden Ländern überwinden wollen“, erklärte der Linken-Politiker weiter. Gysi begleitet Steinmeier bei dem Staatsbesuch. (mgb/dpa)

Verwendete Quellen:

Deutsche Zwangsanleihe in Griechenland

Auszug aus der Akte R 27320 von 1944, Blatt 114 im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes

Als deutsche Zwangsanleihe in Griechenland (auch griechische Zwangsanleihe von 1942[1]) wird eine Geldforderung aus Griechenland bezeichnet, die mit Zahlungsvorgängen während der Besatzung Griechenlands durch die deutsche Wehrmacht (1941 bis 1945) begründet wird. Die Forderung, deren Fortbestand Gegenstand der politischen Diskussion ist, wird von der deutschen Bundesregierung als Reparationsforderung angesehen und mit dieser Begründung zurückgewiesen.

Inhaltsverzeichnis

„Wenn ihr euch erinnert, können wir vergessen“

Im April 1941 eilt die Wehrmacht dem Achsenpartner Italien zu Hilfe, der sich vergeblich um die Einnahme Griechenlands bemüht hatte. Den griechischen Widerstand während der folgenden Besatzungszeit schlagen die Deutschen mit einer Brutalität gegen die Zivilbevölkerung zurück, die in nicht-slawischen Ländern unerreicht bleibt.

http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/griechenland/177895/deutsche-besatzungszeit

Rettungsschirm Deutschland macht 2,9 Milliarden Euro Gewinn mit Griechenland-Hilfe

Deutschland gilt als Zahlmeister Europas. An der Rettung Griechenlands hat die Bundesrepublik allerdings ganz gut verdient. Die Grünen fordern Konsequenzen.

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