1000 jesidische Frauen sind weiter in IS-Gefangenschaft. Hunderte von Jesidinnen noch vermisst, andere fristen ein trostloses Dasein in Vertriebenenlagern. Mit der Vergabe des Friedensnobelpreises an die Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad ist ein Anfang gemacht: Jede Verletzung von Menschenrecht auf der Welt, die wir hinnehmen, zerstört die Menschlichkeit in uns. Jede Verletzung von Menschenrecht auf der Welt sollten wir als einen Angriff auf uns alle begreifen und uns einsetzen, diese Verletzung zu beenden: Die Geschichte lehrt uns: Nur wenn weltweit jede/r ihre/seine Persönlichkeit voll und frei entwickeln kann, werden wir alle es tun können!

Zentralrat der Jesiden: Noch 1000 Frauen in IS-Gefangenschaft
Nach der Vergabe des Friedensnobelpreises an die Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad und den Arzt Denis Mukwege, die sich für die Opfer sexueller Gewalt einsetzen, hofft der Zentralrat der Jesiden, dass der Problembereich stärker in den Fokus gerät.

(dpa) Nach der Vergabe des Friedensnobelpreises an Nadia Murad hofft der Zentralrat der Jesiden, dass die Jesidinnen in IS-Gefangenschaft wieder stärker in den Fokus geraten. «Es sind immer noch etwa 1000 Frauen in den Händen des IS – so, wie es Nadia Murad war», sagte der Vorsitzende Irfan Ortac der «Heilbronner Stimme» (Samstag). «Sie werden versklavt und missbraucht.» Die irakische Menschenrechtsaktivistin Murad erhält den Friedensnobelpreis gemeinsam mit dem Arzt Denis Mukwege, wie das norwegische Nobelkomitee am Freitag bekanntgab. Mukwege hilft als Gynäkologe im Kongo Frauen, die Opfer von sexueller Gewalt wurden.

Jesidische Kinder halten Bilder der Nobelpreisgewinnerin Nadia Murad hoch. Der Zentralrat der Jesiden hofft, dass diese Anerkennung einen Fokus auf das Schicksal der sich immer noch in IS-Gefangenschaft befindlichen 1000 Jesidinnen wirft. (Bild: Ari Jalal / Reuters)

Jesidische Kinder halten Bilder der Nobelpreisgewinnerin Nadia Murad hoch. Der Zentralrat der Jesiden hofft, dass diese Anerkennung einen Fokus auf das Schicksal der sich immer noch in IS-Gefangenschaft befindlichen 1000 Jesidinnen wirft. (Bild: Ari Jalal / Reuters)

«Nadia hat diesen Preis mehr als andere verdient», sagte Ortac. «Seit vier Jahren ist sie unermüdlich unterwegs, um auf das Schicksal der Jesiden und anderer Opfer des IS hinzuweisen.» Murad war auch wegen ihrer Religion mehrere Monate lang von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als Sex-Sklavin gehalten und brutal missbraucht worden. Ihr gelang damals die Flucht, inzwischen lebt sie in Baden-Württemberg und kämpft dafür, dass die Terroristen vor ein internationales Gericht kommen.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) schrieb in einem Gastbeitrag für die «Passauer Neue Presse» (Samstag), das Nobelpreiskomitee habe mit seiner Wahl ein wichtiges Zeichen gesetzt: «Es gibt keinen Frieden auf der Welt, solange sexuelle Gewalt als abscheuliche Waffe benutzt wird und Frauen und Mädchen nicht die gleichen Rechte haben wie Männer.» Es sei höchste Zeit, diese Verbrechen auch konsequent zu ahnden. Die internationale Gemeinschaft müsse die Bestrafung dieser Kriegsverbrecher mit deutlich mehr Nachdruck verfolgen.

https://www.nzz.ch/international/zentralrat-der-jesiden-noch-1000-frauen-in-is-gefangenschaft-ld.1426235

Nadia Murad – mutige Stimme der Opfer
Der Jesidin gelang die Flucht aus der IS-Gefangenschaft. Seitdem setzt sie sich unermüdlich für Gerechtigkeit für die Überlebenden ein.
Inga Rogg, Istanbul
Die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad. (Bild: Patrick Seeger / EPA)

Die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad. (Bild: Patrick Seeger / EPA)

Als Kind träumte Nadia Murad davon, Lehrerin zu werden oder einen Schönheitssalon zu eröffnen. Sie hat sich für ein Studium entschieden, als die Kämpfer des Islamischen Staats (IS) im August 2014 das Dorf Kojo im irakisch-syrischen Grenzgebiet westlich von Mosul überrennen. Die Extremisten bringen Hunderte von Jesiden um, unter ihnen Murads Mutter und sechs Brüder. Murad selbst und zwei ihrer Schwestern landen mit vielen anderen Frauen und Mädchen der Minderheit in IS-Gefangenschaft und werden wie Sklaven behandelt. Die damals 21-Jährige wird mehrfach verkauft und von ihren Peinigern vergewaltigt und gefoltert.

Ende 2014 gelingt Murad die Flucht, mit Hilfe einer armen muslimischen Familie entkommt sie in den kurdischen Teilstaat im Nordirak. Obwohl es für sie bedeutet, das Trauma immer wieder neu zu durchleben, beschliesst sie, an die Öffentlichkeit zu treten und über ihre Qualen zu sprechen. Sie wird damit zur Stimme Tausender Jesidinnen, deren Schicksal in Vergessenheit zu geraten droht, obwohl die Uno das Verbrechen an der Minderheit als Genozid eingestuft hat. Unermüdlich setzt sie sich fortan dafür ein, dass Vergewaltigung als Waffe in Kriegen wie andere Verbrechen verfolgt wird. Nie wieder solle ein Mädchen das Gleiche erleben wie sie, schreibt sie in ihrer Autobiografie «The Last Girl» (deutsch: «Ich bin eure Stimme»).

Die irakische Regierung wie die kurdische Regionalregierung haben Murad nach Bekanntgabe des Nobelpreis-Komitees mit Glückwünschen überhäuft. Dass die irakischen und kurdischen Truppen ihren Anteil an dem Verbrechen haben, weil sie vor dem IS davonliefen, kehren beide Seiten bis heute unter den Teppich.

Obwohl Tausende von IS-Kämpfern gefangen genommen und vor Gericht gestellt wurden, sei bis heute kein einziger wegen sexueller Gewalt angeklagt worden, kritisiert die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Derweil werden Hunderte von Jesidinnen noch vermisst, andere fristen ein trostloses Dasein in Vertriebenenlagern. Viele Jesiden hoffen, dass mit der Ehrung von Murad das Schicksal der Überlebenden wieder in den Vordergrund tritt.

https://www.nzz.ch/international/nadia-murad-mutige-stimme-der-opfer-ld.1426219

 

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