Die Arroganz der Mächtigen eint die Bürger stärker, als ethnische Spannungen sie trennen. Ein Kellner mischt Bosniens Establishment auf: Der Tod seines Sohnes hat aus dem Kellner Davor Dragicevic die Schlüsselfigur eines Volksprotestes gemacht. Die Bürgerproteste vor den Wahlen verunsichern Bosniens politische Klasse: Der ungeklärte Tod des jungen Mannes bringt in Banja Luka die Menschen auf die Strasse – seit einem halben Jahr.

Davor Dragicevic hebt seine Faust. «Gerechtigkeit für David!», ruft er ins Mikrofon. «Gerechtigkeit!», antwortet die Menge. Einige hundert Menschen sind an diesem Abend auf dem zentralen Krajina-Platz in Banja Luka zusammengekommen. Sie haben eine Frage: Wer hat David Dragicevic umgebracht?

Der 21-jährige David wurde im März tot in der Crkvena gefunden, einem kleinen Kanal im Zentrum der Hauptort der Republika Srpska, des mehrheitlich serbischen Landesteils Bosnien-Herzegowinas. Die Behörden in Banja Luka hatten rasch eine Erklärung zur Hand: David sei unter Einfluss von Alkohol und Drogen in den Kanal gestürzt und dort ertrunken. Zudem sei gestohlene Ware in seinem Rucksack gefunden worden. Für seinen Vater Davor sind das Lügen. Er arbeitet eigentlich als Kellner in einem kleinen Imbiss im Stadtzentrum. Doch seit dem Tod seines Sohnes hat er sich voll und ganz dem Kampf um «Wahrheit und Gerechtigkeit» verschrieben. Dragicevic sagt, sein Sohn sei an Misshandlungen durch die Polizei gestorben. Tatsächlich gibt es zahlreiche Ungereimtheiten in diesem Fall. Die Behörden machten widersprüchliche Aussagen, angebliche Beweise erwiesen sich als unbrauchbar, andere Beweismittel verschwanden. Gegen zwei Polizisten wurde deswegen inzwischen ein Verfahren eröffnet.

Doch Dragicevic und seine Gruppe «Gerechtigkeit für David» machen nicht nur Polizei und Staatsanwaltschaft für den Tod des IT-Studenten verantwortlich. «Das politische System hat David umgebracht», sagt sein Vater. Die Regierung der Republika Srpska unterstütze und vertusche die Polizeigewalt, die seinen Sohn getötet habe.

«Dieses Regime muss weg»

Der Kellner Dragicevic hat in Banja Luka mit seinem Protest gegen das politische Establishment die Massen mobilisiert. Im Frühjahr kam es zu Protesten mit Tausenden von Teilnehmern. Auf Facebook hat die Gruppe «Gerechtigkeit für David» mehr als 320 000 Mitglieder.

mehr: https://www.nzz.ch/international/die-buergerproteste-vor-den-wahlen-verunsichern-bosniens-politische-klasse-ld.1425726

Wie eine Bürgerbewegung vor den Wahlen in Bosnien die Mächtigen herausfordert und wohl scheitert
An der Dominanz der Ethno-Politik wird sich in Bosnien-Herzegowina so schnell nichts ändern. Aber die Bewegung «Pravda za Davida» (Gerechtigkeit für David) zeigt, dass das nicht immer so bleiben muss.
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