Tragen wir mit dem Kauf von Handys zur Finanzierung eines Krieges bei, der im Kongo Millionen Menschen das Leben kostet, Millionen zur Flucht zwingt? Ein Film aus einer für Menschen gefährlichsten Regionen der Welt!

„Blood In The Mobile“ – Blutige Handys
Dokumentation über unsere Verantwortlichkeit
Der Welt-Handy-Kongress: Hier beginnt Frank Poulsen seine Recherchen zum Film „Blood In The Mobile“ – auf Deutsch: „Blutige Handys“. Poulsen fliegt selbst in den Kongo, in dessen Boden das kostbare, zur Handy-Herstellung unverzichtbare Coltan liegt
Es ist ein armes Land, in dem eine Hand die andere wäscht und illegale Geschäfte an der Tagesordnung sind. Ein Großteil der Minerale, die für die Mobiltelefonherstellung notwendig sind, kommen aus dem Osten Kongos. Die westlichen Industrienationen kaufen diese „Konfliktminerale“ und finanzieren so den Bürgerkrieg im Kongo, ein Konflikt, der nach Auffassung von Menschenrechtsorganisationen zu den blutigsten seit dem Zweiten Weltkrieg zählt. „Blood In The Mobile“ ist eine Dokumentation über unsere Verantwortlichkeit im Konflikt im Kongo und über die soziale Verantwortung von Unternehmen.

https://www.youtube.com/watch?v=QtaMpeITTx8
Stichwort Kongo
Die Demokratische Republik Kongo ist mit gut 2,3 Millionen Quadratkilometern fast siebenmal so groß wie Deutschland. Nach Algerien ist die Republik Kongo der zweitgrößte Flächenstaat in Afrika. Auf einem Gebiet, das etwa einem Viertel der Größe der USA entspricht, leben rund 79 Millionen Menschen. Trotz seiner natürlichen Ressourcen leben viele der Bewohner des nur schwach industrialisierten Landes in Armut. Der Kongo ist ein Vielvölkerstaat mit mehr als 200 Ethnien. Das Land hat gemeinsame Grenzen mit Kongo-Brazzaville, der Zentralafrikanischen Republik, dem Südsudan, Uganda, Ruanda, Burundi, Tansania, Sambia und Angola.

Im an Bodenschätzen reichen Osten Kongos kämpfen seit zwei Jahrzehnten Rebellen und Milizen um die Vorherrschaft. Ihnen werden Massaker an der Zivilbevölkerung vorgeworfen. Die Vereinten Nationen unterhalten dort mit rund 23.000 Blauhelmen die weltweit größte Friedensmission. Konflikte in den Nachbarstaaten tragen ebenfalls zu einer politisch instabilen Lage bei. Hinzu kommt eine meist schwache Zentralregierung in Kinshasa. Jahrelang wurde das Land unter Diktator Joseph-Desire Mobutu ausgeplündert. 1997 folgte auf Mobutu der ehemalige Rebellenführer Laurent-Desire Kabila; nach dessen Ermordung amtiert seit 2001 sein Sohn Joseph Kabila (44) als Präsident. Der in Kinshasa regierende Präsident Kabila will bei Neuwahlen 2016 entgegen der Verfassung zu einer dritten Amtszeit antreten.

Die katholische Kirche, der rund die Hälfte der Kongolesen angehört, gilt als wichtige Mittlerin in dem Land, das 1960 seine Unabhängigkeit von Belgien erlangte. Die Ausbeutung und die teilweise brutalen Menschenrechtsverletzungen durch die belgischen Kolonialherren sowie der seinerzeit überstürzte Übergang des Kongo in die staatliche Souveränität sind weitere Gründe dafür, warum das Land immer wieder von Krisen erschüttert wird. Seit 1999 versuchen die UN, mit ihrer Monusco-Mission den Demokratisierungs- und Friedensprozess im Kongo voranzubringen.

Neben den Rohstoffvorkommen verfügt der Kongo über eine reiche Tier- und Pflanzenwelt. In dem Land befinden sich die größten noch existierenden Regenwaldgebiete Afrikas. Die wohl berühmtesten tierischen Bewohner des Kongo sind die Berggorillas im Nationalpark Virunga. Aufgrund der vielen Konflikte und des teils illegalen Rohstoffabbaus sind allerdings auch Flora und Fauna massiv bedroht.

https://www.3sat.de/page/?source=/scobel/184086/index.html

© dpa Video
Video: Ganze scobel-Sendung „Rohstoffe“ ansehen
Rohstoffe: Der Fluch der knappen Güter
Das skandalöse Geschäft hinter den Kulissen
Das moderne digitale Leben ist eng verbunden mit Sklaverei und Krieg. Diese Tatsache ist weit weniger im öffentlichen Bewusstsein als die Folgen schwindender fossiler Ressourcen wie Erdöl, Kohle und Erdgas. Doch die, Kämpfe um die sogenannten Konfliktrohstoffe wie Coltan und Zinnerz sind nicht minder brutal und blutig.
Diese Rohstoffe werden für unsere digitale Lebenswelt, für Handys und Laptops, aber auch für die Kosmetikindustrie und andere Wohlstandsprodukte benötigt. Ihr Abbau findet überwiegend illegal und außerhalb staatlicher Kontrolle statt – in Ländern die als Konfliktregionen gelten, oder durch den Raubbau zu solchen geworden sind. Für die Gewinnung der umkämpften Stoffe werden systematisch Menschen- und Völkerrechte verletzt.

In der Sendung „Scobel“ dokumentieren wir die häufig verschleierte Kette aus Gier und Gewalt und zeigen das Leid, das viele Menschen im Namen des Wohlstands einiger weniger ertragen müssen.

Wissenwertes zu „Herkunft von Rohstoffen“
Zukunftsvision Produktepass
© reuters

Institut für Ressourcenforschung Augsburg: Der Wissenschaftler Armin Reller und sein Team analysieren hier die Inhaltsstoffe diverser Bauteile. Ihre Vision: Herkunft, Arbeits- und Umweltbedingungen während der Herstellung sollen transparent gemacht werden.
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Zukunftsfähige Ressourcenstrategien
© ZEITwissen
Armin Reller

Interview mit Armin Reller: „Nicht nur der Preis darf entscheiden, ob wir ein Produkt kaufen, sondern auch die Herkunft seiner Bestandteile“ – Wir sprachen mit dem Wissenschaftler und Visionär am 27. Oktober in Augsburg.
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Wissenwertes zu „Ausbeutung im Kongo“

„Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Laptops und Handys und unserem Leid und unserem Blut. Der Reichtum an Rohstoffen ist eher Fluch als Segen“, so Justin Nkunzi, kongolesischer Priester und Menschenrechtsbeauftragter der Erzdiözese Bukavu, Kongo.

Ressourcenausbeutung im Kongo
© Reuters

Ob Handy oder Auto: In vielen Produkten des täglichen Lebens können Mineralien aus Konfliktländern stecken. Beispielsweise Öl, Gold, oder Coltan sind für Rohstoffhändler im Kongo ein lukratives Geschäft.
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Der Krieg, die Frauen und unsere Handys
© Reuters

Das katholische Hilfswerk Missio hat den Kampf um den Rohstoff Coltan für die Handyherstellung als eine der wichtigsten Ursachen für den Bürgerkrieg im Kongo bezeichnet.
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„Blood In The Mobile“ – Blutige Handys
© dpa

Eine Dokumentation von Frank Poulsen über unsere Verantwortlichkeit. Poulsen ist für seine Recherchen zum Film in den Kongo geflogen, in dessen Boden das kostbare, zur Handy-Herstellung unverzichtbare Coltan liegt.
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Mediathek: Interviews
Die Coltan-Minen im Kongo
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Video: Interview mit
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Fragen an Thérèse Mema: Was bedeutet der Coltan-Abbau für die Menschen im Kongo? Wie helfen die Missio-Trauma-Zentren? Und was können die Vereinten Nationen für die Kongolesen tun? (Interview in englischer Sprache)
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Das blutige Geschäft mit dem Kongo
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Fragen an Regisseur Frank Poulsen: Wie ist die Lebenssituation der Minenarbeiter im Kongo? Welche Gruppen kontrollieren die Minen? Und warum ist dieser Krieg im Kongo einer der blutigsten überhaupt? (Interview in englischer Sprache)
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Das Leiden der Frauen im Kongo
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Video: Interview mit
Meike Dinklage ansehen

Fragen an Meike Dinklage: Die Journalistin reiste für eine Reportage über den Abbau von Coltan in den Ost-Kongo. Dort traf sie Frauen, die von Rebellen entführt, vergewaltigt und versklavt worden waren. Sie hörte Geschichten von unvorstellbarer Grausamkeit.
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Große-Seen-Konferenz
In Kinshasa wurde im Juli 2013 ein neuer Zertifizierungsmechanismus für Rohstoffe aus der Region von Afrikas Großen Seen aus der Taufe gehoben. Das Zertifikat, das von der Große-Seen-Konferenz in Ost- und Zentralafrika mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung entwickelt wurde, soll belegen, dass die Rohstoffe ohne Einwirkung von Gewalt und ohne Kinderarbeit gefördert wurden.

Transparenzregeln sollen gewährleisten, dass die Einnahmen aus dem Rohstoffverkauf nicht bewaffneten Gruppen zugute kommen. Diesen dürfen auch keine Schutzgelder gezahlt werden. Das Zertifikat ist die direkte Konsequenz eines 2010 beschlossenen US-Gesetzes, das die Einfuhr von sogenannten Konflikt-Rohstoffen untersagt.

Die Republik Kongo erhielt als erster Mitgliedstaat des Regionalverbands eine offizielle Zertifizierungsbehörde. Die Regierung in Kinshasa erhofft sich davon, Unsicherheiten in der Industrie auszuräumen und damit die Exporte anzukurbeln. Zuletzt hatten internationale Unternehmen aus Angst vor negativer Presse und Einfuhrbeschränkungen ganz davon abgesehen, Rohstoffe aus der Region zu kaufen. In den vergangenen Jahren hatte es wiederholt Berichte über Konflikt-Rohstoffe aus dem Kongo gegeben, etwa über das in Handys verwendete Coltan.

Der Große-Seen-Konferenz gehören elf Staaten an: Das sind Angola, Burundi, Kenia, Kongo-Brazzaville, die Demokratische Republik Kongo, Ruanda, Sambia, der Sudan, Tansania, Uganda und die Zentralafrikanische Republik. Hauptziele sind die Schlichtung von Konflikten, die Stärkung der Demokratie und die Förderung von Entwicklung.

Dodd-Frank-Act
Im Zuge der 2010 angegangenen US-Finanzreform muss jedes an der US-Börse notierte Rohstoffunternehmen Geldflüsse an Regierungen offenlegen (Dodd-Frank-Act). Rohstoffunternehmen, die auf US-Kapitalmärkten aktiv sind, müssen Lizenzzahlungen, Steuern sowie Abgaben für jedes Land projektgenau offenlegen. Für jeden etwa an der Wall Street gelisteten Konzern gelten die Vorschriften. Und auch für Unternehmen, die an US-Börsen gelistete Firmen beliefern. Deutsche Zulieferer in den USA werden aufgefordert, einen Herkunftsnachweis vorzulegen – obwohl genaue Regeln noch offen sind.

Weiterführende Links

Die dunkle Seite der digitalen Welt

Seite 4/5:

Nach einer Studie der amerikanischen Menschenrechtsorganisation Enough erwirtschaften bewaffnete Gruppen im Kongo mit Mineralien jährlich bis zu 225 Millionen Dollar. Die Hälfte des weltweit geförderten Coltans stammt aus dem Kongo und seinen Nachbarstaaten. Im Ostkongo liegen die Kosten des Abbaus bei rund 20 Dollar pro Tonne, in Australien, Kanada oder den USA sind sie fünfmal so hoch. Auch Kassiterit aus dem Kriegsgebiet ist billig zu haben, zu einem Viertel des Preises in Indien, Malaysia oder Indonesien. Kein Wunder angesichts der an Sklaverei grenzenden Arbeitsbedingungen.

Darüber hinaus wird ein Großteil der Mineralien an den Zoll- und Steuerbehörden vorbei gehandelt. Nachbarstaaten wie Ruanda profitieren im großen Stil von geschmuggelten Rohstoffen. Ein luxuriöses Neubauviertel am Rand der Hauptstadt Kigali nennen die Leute „Vive la guerre au Congo“, Hoch lebe der Krieg im Kongo.

Die größten Profite in der Handelskette erzielen jedoch multinationale Firmen, die Metalle aus den Erzen lösen, um diese in elektronischen Produkten zu verarbeiten. Eine der weltweit führenden Firmen dieser Branche ist H. C. Starck, eine ehemalige Tochter der deutschen Bayer AG. Der Spezialpulverhersteller mit Sitz in Goslar zerkleinert Coltan in Gesteinsmühlen und trennt mithilfe aggressiver Flusssäure Tantal heraus. Das ist ein anthrazitfarbenes Pulver, dessen nur wenige Tausendstelmillimeter kleine Körner zu Metallschwämmen umgeformt werden; Kondensatoren – winziger als Stecknadelköpfe –, die elektrische Ladung sehr schnell aufnehmen und wieder abgeben können.

In den Jahren 2000 und 2001 war H. C. Starck einer der Hauptabnehmer von Coltan aus dem Kongo. Trotz Bürgerkrieg, Massenhinrichtungen, Zwangsarbeit und Folter . Der Jahresumsatz betrug damals 1,3 Milliarden Deutsche Mark. Im Oktober 2002 warfen die Vereinten Nationen dem Unternehmen „Mitverantwortung für die grauenhaften Kämpfe“ vor. Bis heute weist H. C. Starck jede Schuld von sich. „Wir haben damals einige Lieferungen von Händlern erhalten, die uns über die Herkunft getäuscht haben“, heißt es aus Goslar. Seither beziehe man kein Coltan mehr aus dem Kriegsgebiet. Damit ist die Akte Kongo für H. C. Starck geschlossen.

Inzwischen haben sich auch die meisten anderen europäischen und amerikanischen Erzverarbeiter aus dem Ostkongo zurückgezogen. Rund 90 Prozent der Produktion gehen heute nach Asien. Zwei der weltweit größten Zinnschmelzbetriebe werden seit Jahren von den Vereinten Nationen beschuldigt, sich mit Erz aus dem Kriegsgebiet zu versorgen: die Malaysia Smelting Corporation und die Thailand Smelting and Refining Company, die zum britischen Metallriesen AMC gehört. Auch chinesische Firmen kaufen zunehmend im Kongo ein.

Doch wer sieht einem in China oder Malaysia eingeschmolzenen, über Korea oder Russland an Apple oder Nokia gelieferten Material noch seine Herkunft an? Als ein Leser der New York Times kürzlich in der Chefetage von Apple anfragte, ob man sich dafür verbürgen könne, ausschließlich konfliktfreie Materialien zu verwenden, kam die Antwort prompt: Apple verpflichte seine Lieferanten zu sauberen Rohstoffen, Garantien gebe es aber keine.

Kein Wunder, dass sich – gleich neben Uwe Nähers Büro in Bukavu – hochrangige Vertreter von Motorola, Intel, IBM und weiteren Kommunikations- und Unterhaltungsriesen treffen. Besorgt um ihr Image, reden sie bei Lachshäppchen und exotischen Drinks zwei Tage lang von „Nachhaltigkeit“ und „sozialer Verantwortung“. Vor ihrer Abreise besuchen sie vom Aussterben bedrohte Berggorillas. Bei den Schürfern lässt sich kein Manager blicken.

Unterdessen gibt es für Nyabibwe noch immer kein grünes Licht. Die Sicherheitswarnungen der UN gelten nach wie vor, das Bergbauministerium hält einen Besuch der Minen für lebensgefährlich. Uwe Näher hat wenigstens Ablenkung, er muss die Hostessen und das Catering für die offizielle Büroeinweihung organisieren. Die deutsche Flagge hat er in Kinshasa vergessen. Vielleicht kann ihm die Hilfsorganisation nebenan eine leihen. Es ist eine bittere Ironie, dass Näher mit seiner Hoffnung auf eine stabilere Sicherheitslage ausgerechnet auf die kongolesische Armee setzen muss und damit auf Generäle und Politiker, die oft selbst im illegalen Erzgeschäft mitmischen und mit den Erlösen reihenweise Villen, Hotels und Restaurants an den hübschen Buchten des Kivu-Sees finanzieren – dieselben Leute also, die Näher mit seinem Gütesiegel abservieren will. Deutsche Geologen wollen den Ostkongo retten, doch der sträubt sich.

„Da muss jetzt die Regierung ran!“, sagt Näher, der allmählich die Geduld verliert. Doch die sitzt weit weg in Kinshasa und hat im Osten des Kongos wenig zu melden. Menschenrechtler, Journalisten, Geistliche, die für einen Wandel eintreten, sind schon spurlos verschwunden, unbequeme Politiker erschossen worden. „Ich habe keine Angst“, sagt Näher. „Wir haben vollen Rückhalt aus dem Bergbauministerium.“ Auch der Provinzgouverneur zähle zu seinen Verbündeten.

https://www.zeit.de/2011/02/Kongo-Rohstoffe/seite-4

 

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