Smartphones, Laptops und Elektroautos können ohne Bodenschätze aus dem Kongo nicht hergestellt werden.Wie internationale Konzerne über und mit Warlords und Diktatoren sich den Rohstoffreichtum Afrikas aneignen: Der Fluch des Reichtums trifft viele Menschen in Afrika! Tödlich! „Es ist schrecklich, dass diese Erze mitunter mit dem Blut der Mitmenschen erkauft sind“, sagt der Erzbischof von Bukavu, Francois-Xavier Maroy. Ein Umdenken sei nötig, fordert er in einem Aufruf der Hilfsorganisation Missio. Denn für Coltan werde bisweilen „eine ganze Dorfgemeinschaft niedergemetzelt“.

Der Fluch des Reichtums

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Globalisierung, Interviews, Lobbyismus und politische Korruption, Ressourcen, Ungleichheit, Armut, Reichtum

Tom Burgis

In mancher Hinsicht ist Afrika der wohl reichste Kontinent der Welt: Ein Drittel der weltweiten Rohstoffvorkommen liegt hier unter der Erdoberfläche. Für die Mehrheit der Bevölkerung bedeutet dieser Reichtum allerdings weit mehr Fluch als Segen. Denn ein kriminelles Netzwerk aus zwielichtigen Händlern, internationalen Großkonzernen und kapitalistischen Freibeutern hat sich den Zugang zu den Ressourcen gesichert und greift die Gewinne systematisch ab. Eine Art Neokolonialismus hat sich entwickelt, der dafür sorgt, dass sich vor Ort kaum etwas zum Besseren entwickeln kann, dass die Eliten korrupt sind und bleiben und die allgemeine Bevölkerung wie seit Jahrhunderten bereits konsequent unterdrückt und in Elend gehalten wird. Zur Situation vor Ort sprach Jens Wernicke mit Auslandsreporter Tom Burgis, dessen aktuelles Buch das Zusammenspiel von Warlords, Konzernen, Schmugglern und der Plünderung Afrikas thematisiert.

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Herr Burgis, gerade erschien Ihr neues Buch „Der Fluch des Reichtums“. Was dürfen wir uns unter diesem „Fluch“ vorstellen? Werben Sie um Empathie mit den elendigen Reichen, die ja oft an Liebeskummer, Depressionen und anderem laborieren?

Ich stelle zwar nicht in Frage, dass Depressionen und andere Beschwerden zwischen Arm und Reich nicht unterscheiden, will mit meinem Buch jedoch nicht für Mitleid mit den Reichen werben.

Tatsächlich ist der Fluch etwas, was Nationen widerfährt. Nehmen Sie zum Beispiel das Öl. Jedes Land in Afrika mit einer nennenswerten Erdölproduktion – ebenso wie weltweit fast alle Länder – ist beherrscht von Gewalt, wird schlecht regiert und ist, ausgenommen von einer winzigen, ultrareichen Führungselite, bitterarm. Das ist kein Zufall. Ein Übermaß an Öl oder anderen wertvollen Mineralien, wie etwa Gold oder Diamanten, ist die Grundzutat für Korruption und Kleptokratie. Es bewirkt, dass das nationale Einkommen in einen einzigen Topf fließt, der von einer kleinen Gruppe kontrolliert wird.

Diese kleine Gruppe verteilt das Einkommen – bekannt als Ressourcenrente, da es im Wesentlichen nicht erwirtschaftet wurde – um sich einzuschmeicheln und um sicherzustellen, dass sie an der Macht bleibt. In Ressourcenstaaten brauchen die Herrschenden nicht die Steuern der Bürger, um den Staatsapparat zu finanzieren, und sie sind daher auch nicht auf ihre Zustimmung angewiesen.

Im Kontrast dazu stehen Gesellschaften mit einem großen produzierenden Gewerbe oder einer industrialisierten Landwirtschaft: eine große Anzahl von Menschen bezahlt Steuern, alle mit Ansprüchen gegenüber denjenigen, die in ihrem Namen regieren.

In einem ressourcenreichen Staat verzerrt der ständige Zufluss ausländischer Dollars den Kurs der Landeswährung und macht Importwaren billiger, wodurch die heimische Produktion und die Landwirtschaft untergraben werden. Wenn man in Nigeria, im Kongo oder im Sudan geboren wird, hat man die Wahl: entweder man lehnt das herrschende System der Machtvergabe durch Patronage ab und verhungert oder man unterstützt es, um den Lebensunterhalt der eigenen Familie zu sichern – im Wissen darum, dass man damit ein System am Leben erhält, das den eigenen Kindern nur Elend bringen wird. Das ist der Fluch.

Im Vorwort zu Ihrem Buch heißt es: „Ich begann den roten Faden zu sehen, der ein Massaker in einem angelegenen afrikanischen Dorf mit den Freuden und Bequemlichkeiten verbindet, die wir in den reichen Teilen der Welt genießen. Er zieht sich durch die globalisierte Wirtschaft, von Kriegsgebieten bis zu den Gipfeln von Macht und Reichtum in New York, Hongkong und London.“ Um was für einen „roten Faden“ geht es hier?

Es ist derselbe Faden, der einst afrikanische Dörfer, deren junge Männer entführt und in die Sklaverei verkauft wurden, mit den Tabakbaronen Amerikas und den Rauchern in London verband. Die materiellen Vorzüge unseres westlichen Lebenswandels – Mobiltelefone, Autos, Laptops und so weiter – werden mit Rohstoffen geschaffen. Große Mengen dieser Materialien lagern unter afrikanischem Boden. Diese Vorräte werden oft von multinationalen Konzernen auf dem Weltmarkt vertrieben, die mit unrechtmäßigen Regimen in Afrika zusammenarbeiten, etwa in Äquatorialguinea, im Kongo oder in Kamerun.

Allerdings gibt es auch – zumindest müssen wir das hoffen – einen Faden der Empathie. Die Globalisierung hat uns wirtschaftlich mit den Minenarbeitern im Ostkongo und den Milizen im Nigerdelta verbunden. Sind wir aber bereit, diese Logik konsequent zu verfolgen und uns individuell und als Gesellschaft der Verantwortung zu stellen; sind wir bereit, anzuerkennen, dass unser Handeln zu dem Unheil beiträgt, das die Rohstoffindustrie ihrem Leben zufügt?

Sie argumentieren also nicht, „die Reichen“ oder rohstoffreiche Länder wären per se verflucht. Ihr Argument ist, dass die Weltwirtschaft dafür sorgt, dass die internationale Ausbeutung armer Länder dafür sorgt, dass Armut und Elend dort unüberwindbar scheinen? Wodurch genau geschieht das denn?

Ich bin der Ansicht, dass der Ressourcenfluch nur extrem schwer zu bewältigen ist. Man kann sagen, dass dies bis heute eigentlich nur Norwegen gelungen ist – wobei es entscheidend war, dass das Land bereits ein relativ hohes Wohlstandsniveau und starke politische Institutionen hatte, bevor es auf Öl stieß. Die afrikanischen Länder allerdings entdeckten das Öl – oder Diamanten oder Kupfer oder Stahl – bevor sie starke Institutionen ausbilden konnten. Deswegen hat die Ressourcenrente ihre politischen Systeme auch so stark korrumpiert.

Not gibt es tatsächlich überall, in reichen wie in armen Ländern. Ich befürchte auch, dass die Armut im gegenwärtigen System des Rohstoffabbaus durch globale Märkte unüberwindbar ist. Denn: Wie konnten die wohlhabenden Nationen der Welt einst die Armut überwinden? Indem sie sich industrialisierten! Volkswirtschaften, die hauptsächlich von Rohstoffexporten abhängen, werden jedoch an der Industrialisierung gehindert: Durch die Verzerrungen im Wechselkurses verbilligen sich die Importe und die lokale Industrie wird untergraben. Die Regierungen geben lieber Geld fürs Militär als für das Gesundheits- oder Bildungssystem aus.

Damit setzt sich der Ressourcenfluch fort. Nur aufgrund der Industrialisierung konnte sich in Europa, Nordamerika und zuletzt in Teilen Asiens eine Mittelschicht etablieren. Die Mittelschicht verlangte politische Mitspracherechte, und moderne, liberale Demokratien konnten sich entwickeln. Ich sage nicht, dass dies der einzige Weg zu einem repräsentativen Herrschaftssystem ist, aber er ist bei weitem der sicherste. Ressourcenverfluchte Nationen haben diese Entwicklungsmöglichkeit nicht.

Können Sie diese Mechanismen bitte anhand eines konkreten Beispiels illustrieren?

Beispiele gibt es im Buch etliche: Guinea, Niger, Nigeria, Äquatorialguinea, Kongo, Angola, Simbabwe, Südsudan – sogar Südafrika zur Zeit der Apartheid. Sehen Sie sich Kapitel drei an, Brutstätten der Armut. Die Geschichte von Mangal, dem Meisterschmuggler, zeigt, was passiert, wenn der Ressourcenfluch eine Volkswirtschaft ausgehöhlt hat. Es entsteht ein Vakuum, in dem sich mafiöse Strukturen etablieren können.

Mangal ist ein aus ärmlichen Verhältnissen im Grenzgebiet von Niger und Nigeria stammender Geschäftsmann, der sich mit dem Schmuggel von chinesischen Textilien nach Nigeria ein regelrechtes Handelsimperium aufgebaut hat. Sein Aufstieg begann in den neunziger Jahren, als chinesische Fabriken mit dem Kopieren westafrikanischer Stoffmuster begannen, um sie auf dem afrikanischen Markt zu verkaufen.

Der Handel mit der kopierten Ware ist in Nigeria streng verboten, also konnten die Stoffe nur auf illegalen Wegen ins Land gelangen. Das gelang schließlich mit der Hilfe von Mittelsmännern wie Mangal, der zwischen Herstellern und Vertriebspartnern agierte und eine Schattenwirtschaft verwaltete, die die Grenzbehörden ebenso wie politische Verbündete einschließt.

So gewannen die Chinesen in Zusammenarbeit mit nigerianischen Verkäufern allmählich die Kontrolle über den Markt und Mangal verdiente ein milliardenschweres Vermögen. Heute reicht sein Netzwerk aus Vorratslagern und Händlern über Dubai, wo ein Großteil der geheimen Afrikageschäfte abgewickelt wird, bis nach Indien und China.

Der Aufstieg Mangals steht in enger Verbindung mit dem Niedergang der Textilindustrie in Nigeria: Mitte der achtziger Jahre hatte Nigeria 175 Textilfabriken. Seitdem mussten bis auf etwa 25 alle schließen. Und viele von denen, die bis heute überlebt haben, arbeiten jetzt mit stark verringerter Kapazität. Von den 350.000 Arbeitern, die die Industrie zu ihrer besten Zeit beschäftigte, was sie zum mit Abstand wichtigsten verarbeitenden Sektor der Wirtschaft Nigerias machte, mussten inzwischen bis auf 25.000 alle gehen. Der Markt besteht heute zu 85 Prozent aus Importen, obwohl der Import von Textilien eigentlich illegal ist.

Wie konnte das passieren? Durch das starke Übergewicht der Rohstoffindustrie in Nigeria werden Wirtschaftszweige, die nicht mit der Förderung von Öl oder Erdgas in Verbindung stehen, systematisch vernachlässigt. Und obwohl Minen und Ölfelder gewaltige Summen von Kapital verschlingen, schaffen sie verglichen mit der Landwirtschaft oder anderen Wirtschaftszweigen nur eine verschwindend geringe Zahl von Arbeitsplätzen – von den ungleich höheren ökologischen Folgeschäden ganz zu schweigen.

Durch das Aussterben des produzierenden Gewerbes entsteht ein höherer Bedarf an Importwaren – ein Bedarf, der durch den Schmuggel gedeckt wird. Gleichzeitig verkümmern staatliche Institutionen, die sich eigentlich um das Allgemeinwohl sorgen sollten, denn Petro-Staaten sind in der Regel auf Patronage aufgebaut. Nur daher können Leute wie Mangal solchen Erfolg haben.

Gibt es konkrete Profiteure dieses Systems? Wessen Interessen organisieren sich hier und wie geschieht das genau?

Mit diesem Buch wollte ich zeigen, dass der Ressourcenfluch nicht nur eine Macke unseres Wirtschaftssystems ist, sondern ein ausgeklügeltes System der Plünderung, dessen Profiteure benannt werden können. Daher der Titel des Buches „Looting Machine“, zu Deutsch: Plünderungsmaschinerie. Ich habe einige der Unternehmen und Individuen benannt, die vom dreckigen Geschäft mit Afrikas Ressourcen profitieren, darunter sind etwa Royal Dutch Shell oder Tycoons wie der israelische Milliardär Dan Gertler.

Die Ausbeutung Afrikas hat eine lange Geschichte, die sich bis in die Gegenwart fortsetzt: Viele der multinationalen Konzerne, die heute das Geschäft mit Afrikas Öl kontrollieren, haben sich schon während der Kolonialzeit im großen Stil bereichert. Oft waren sie lediglich der privatwirtschaftliche Arm der Kolonialmächte bzw. der Großmächte während des Kalten Krieges. Manchmal werden sie erwischt – Shell etwa verstieß gegen die Antikorruptionsgesetze der USA – aber alles in allem ist uns der Nachschub an Rohstoffen wohl zu wichtig, um diese Unternehmen ernsthaft in Schwierigkeiten zu bringen.

Komplizen dieser Entwicklungen sind wir aber letztlich alle – jeder, der ein Mobiltelefon benutzt, ein Auto fährt oder seiner Angebeteten einen Antrag mit einem Diamantenring macht. Denn die gesamte Weltwirtschaft ist auf der ständigen Verfügbarkeit von Rohstoffen aufgebaut – aus Afrika und aus anderen Regionen. Prinzipien, die wir sonst anwenden – das Eigentumsrecht zum Beispiel oder grundsätzliche ethische Handelsstandards – werden über Bord geworfen, wenn es ums Öl, den Bergbau oder anderes geht.

Nun würden die meisten Volkswirte, die ich kenne, argumentieren: Nein, wenn „wir“ „da“ Arbeit schaffen, steigt der Wohlstand vor Ort. In dieser Lesart ist es sogar „großzügig“, westliche Firmen im globalen Süden Hungerlöhne bezahlen zu lassen – denn, so die Behauptung, das ist immer noch mehr, als vor Ort ohne westliches Zutun zustande käme. Was halten Sie von diesem Argument – bezüglich der Ausbeutung von Rohstoffen, aber auch allgemein, also bezüglich der Ausbeutung etwa von Arbeitskraft?

Dieses Argument ist in mancher Hinsicht tatsächlich valid. Wenn westliche Elektronikproduzenten damit aufhörten, Metalle aus dem Ostkongo zu kaufen, um neuen Bestimmungen der USA gegen konfliktträchtige Rohstoffe nachzukommen, würden viele Minenarbeiter vor Ort auf der Stelle ihren Lebensunterhalt verlieren. Das ist ein Teil der Falle. Die Ressourcenindustrie ist die Hauptursache der schlimmsten Probleme vieler afrikanischer Staaten und gleichzeitig ihre wichtigste, manchmal sogar einzige Einkommensquelle.

Und meinen Sie, ich als Einzelner könnte hiergegen nun etwas tun? Meinen Sie, mittels „individueller Kaufentscheidungen“, die uns viele grüne Ideologen gern glauben machen wollen, können wir der Weltwirtschaft Gerechtigkeit abringen – oder was wäre Ihr Vorschlag? Was tun?

Ich denke, dass wir zunächst vor der eigenen Tür kehren sollten. Westliche Führer belehren die Afrikaner permanent, wenn es um Korruption geht. Es ist natürlich richtig, dass viele afrikanische Herrschaftseliten abgrundtief korrupt sind. Allerdings ist die Korruption farbenblind und transnational. Und ein großer Anteil des Bestechungssystems, das ich im Buch beschreibe, wäre nicht denkbar ohne eine Industrie zur Vertuschung globaler Finanzströme, deren Hauptakteure in London, der Schweiz und in zunehmendem Maß auch in den USA sitzen.

Es ist die Bereitwilligkeit westlicher Staaten, den Fluss von Geldern in dunklen Kanälen zu erleichtern und die Geldwäsche durch Immobiliengeschäfte, auf dem Kunstmarkt und in anderen Bereichen zu akzeptieren, die es afrikanischen Kleptokraten erst ermöglicht, Ihre Macht zu behaupten.

Noch ein letztes Wort?

Abschließend will ich betonen, dass ich im Verlauf der Jahre, während derer ich an diesem Buch gearbeitet habe, viele unglaublich mutige Menschen getroffen habe – zumeist Afrikaner, manchmal auch Außenseiter – die sich gegen diese systematische Plünderung zur Wehr setzen.

Sie dürfen hier nicht namentlich genannt werden, weil das ihr Leben in Gefahr bringen würde. Ich hoffe allerdings, dass ihr Mut uns dazu bringt, mehr auf die Warenströme zu achten, die unsere materiellen Vorzüge in der ersten Welt ermöglichen.

Wie Burroughs einmal sagte: Was wir benötigen, ist „ein eingefrorener Moment, in dem jeder sieht, was sich am Ende jeder Gabel befindet.“

Ich bedanke mich für das Gespräch.


Tom Burgis ist als Auslandsreporter für die Financial Times tätig, zuletzt in Johannesburg und Lagos. Aktuell lebt er in London, wo er ein Team für investigativen Journalismus leitet. Unter anderem Preisträger des renommierten Jerwood Awards im Januar 2013, ist er heute ein gefragter Kommentator bei der BBC, CNBC und weiteren internationalen Fernseh- und Radiosendern. Unerschrocken, eloquent und mutig, liefert Tom Burgis hier sein Erstlingswerk und stellt sich an die Spitze einer neuen Generation junger investigativer Journalisten.

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Tom Burgis: „Der Fluch des Reichtums“Wie Konzerne und Warlords Afrika bestehlen

Von Marko Martin

Schwarze Arbeiter sitzen, stehen und laufen auf einer hügeligen Oberfläche am Rande der Mine. Die Luft ist staubig. Einige Arbeiter halten Schaufeln in den Händen. (AFP / Junior D. Kannah)
Begehrter Bodenschatz: In einer Mine in der Demokratischen Republik Kongo wird das Mineral Coltan abgebaut. (AFP / Junior D. Kannah)

Das Geschäft mit geraubten Bodenschätzen ist verhängnisvoll für Menschen und politische Systeme in Afrika. Mit seinem Buch deckt der Journalist Tom Burgis Strukturen auf, die dieses Geschäft ermöglichen; und macht Machtkonstellationen sichtbar, die bisher der Öffentlichkeit größtenteils verborgen waren.

Es dauerte eine Weile, bis seine Ärzte herausfanden, weshalb Tom Burgis sich seit Monaten unwohl fühlte und unter Schlaflosigkeit litt: Der Auslandsreporter der „Financial Times“ hatte eine sogenannte posttraumatische Belastungsstörung, Resultat seines langjährigen Aufenthaltes in Afrika, wo er in Johannesburg und im nigerianischen Lagos für die „FT“ tätig gewesen war.

Sein daraufhin entstandenes Buch „Der Fluch des Reichtums“ ist dennoch keine gefühlige Aufarbeitungs-Prosa, die gängige Lesererwartungen mit Schreckensgeschichten und hilflosen Humanismus-Appellen bedienen würde.

Skandalös ungerecht verteilter Reichtum

Cover - Tom Burgis: "Der Fluch des Reichtums" (Westend Verlag)Cover – Tom Burgis: „Der Fluch des Reichtums“ (Westend Verlag)

Im Gegenteil: Obwohl Burgis im Ost-Kongo und in Kenia schockierter Zeuge von Massakern wurde, die man in westlichen Medien zu voreilig „tribalistischem Hass“ zuschrieb, geht es ihm eher um die Strukturen dahinter, um das große Zugriffs-Geschäft mit den immensen Bodenschätzen des Kontinents. Denn nicht allein, dass der aus Öl- und Gold-Exporten entstandene Reichtum skandalös ungerecht verteilt ist und – neben den europäischen, US-amerikanischen und chinesischen Konzern-Profiteuren – vor allem eine schwerreiche einheimische Kleptokratie geschaffen hat:

„Es bricht vor allem der ungeschriebene Vertrag zwischen Regierenden und Regierten zusammen, weil die Herrschenden zur Finanzierung von Staat und Regierung nicht mehr auf die Besteuerung und daher auch nicht mehr auf die Zustimmung der Menschen angewiesen sind. Während Dollars zum Kauf von Rohstoffen ins Land strömen, wird der Rest der Wirtschaft deformiert.“

Raffgier statt politischer Teilhabe

Die Verarmten werden mit Geldern aus der Regierungsschatulle abgespeist, was wiederum Begehrlichkeiten weckt – die nicht etwa auf bürgerlich-politische Teilhabe, sondern auf Partizipation am großen Raffen zielen. Burgis‘ Verdienst ist es, ohne moralistisches Tremolo diese verhängnisvollen Strukturen aufgedeckt zu haben – und dabei weit mehr zu liefern als lediglich pittoreske Schilderungen über den im wahrsten Wortsinn tiefen und schmutzigen Graben zwischen der Residenz des angolanischen Dauerpräsidenten dos Santos und den Slumgebieten der Hauptstadt Luanda.

Der investigative, doch geradezu kühl schreibende Reporter ist nämlich auch an der gediegenen Wall Street und der Londoner Börse vorstellig geworden und hat in Hongkong einen milliardenschweren Festland-Chinesen namens Sam Pa ausfindig gemacht, den er als „Baron des afrikanischen Rohstoffhandels“ bezeichnet. Biografien und kunstvoll kaschierte Machtkonstellationen, die bisher der Öffentlichkeit größtenteils verborgen waren, kommen dadurch ans Licht. Das ist nicht wenig, und auch wenn der Autor keine einfachen Lösungen feilzubieten weiß, bleibt für uns zumindest als notwendige Beunruhigung der Satz einer jungen Nigerianerin: „Denkt nur nicht, ihr hättet damit nichts zu tun.“

Tom Burgis: Der Fluch des Reichtums. Warlords, Konzerne, Schmuggler und die Plünderung Afrikas
Aus dem Englischen von Michael Schiffmann
Westend Verlag, Frankfurt am Main 2016
351 Seiten, 24 Euro

https://www.deutschlandfunkkultur.de/tom-burgis-der-fluch-des-reichtums-wie-konzerne-und.1270.de.html?dram:article_id=371157

Als Serge 15 Jahre alt war, hat er seinen Onkel und neun weitere Menschen hingerichtet. Der Junge ist ein früherer Kindersoldat aus dem Ost-Kongo. Wenn er die Geiseln seiner Miliz nicht mit der Kalaschnikow niedergemäht hätte, hätte sein Peiniger ihn zu Tode gefoltert. Mit dieser Drohung nötigte der erwachsene Kämpfer das Kind zum Morden. – Quelle: https://www.shz.de/16636566 ©2018

Wie Tausenden anderen Kongolesen wurden Serge die Bodenschätze der Region zum Verhängnis: Gold, Diamanten, Kobalt, Coltan und andere Erze ziehen Milizen an. Die Banden beuten die Menschen aus. Mit ihren Einnahmen kaufen sie Waffen, um weitere Gebiete zu erobern. Jeden Tag vergewaltigen Bewaffnete im Ost-Kongo Dutzende Frauen. Dorfbewohner werden versklavt oder getötet, Kinder werden von Milizen zu Mittätern gemacht. Doch trotz dieser Menschenrechtsverletzungen wandern weiter viele Mineralien aus dem Land in Zentralafrika in Laptops und Smartphones. Und damit auch zu uns nach Deutschland. Benutzt werden sie etwa für den Vibrationsalarm und in Akkus.

Ein in Masse produziertes Handy, das ohne diese Bodenschätze aus vielen Ländern auskommt, gibt es nicht. In einem Smartphone stecken jeweils wenige Gramm von Dutzenden Mineralien. Die Telefone sollen handlich klein sein und trotzdem möglichst viel leisten. Dafür brauchen die Hersteller Stoffe wie Kobalt und das weniger bekannte Coltan. Die Mineralien sind das Doping der Mobiltelefone.

Etwa die Hälfte der weltweiten Produktion der beiden Stoffe kommt aus Zentralafrika. Kobalt wird meist nach Asien exportiert, Coltan geht auch nach Deutschland, weil hier ein führender Verarbeitungsbetrieb sitzt. Aus dem Erz lässt sich das grau-glänzende, seltene Metall Tantal gewinnen.

– Quelle: https://www.shz.de/16636566 ©2018

Der Ex-Kindersoldat Serge war zwölf Jahre alt, als er in der Provinz Nord-Kivu von Kämpfern einer örtlichen Miliz, der Mai Mai Cheka, entführt wurde. „Das erste Mal habe ich zwei Tage nach meiner Ankunft im Lager getötet“, erinnert sich Serge. Das hat Methode: Die Banden zwingen Kinder zum Töten, damit sie sich nicht nach Hause trauen.

Kongolesen graben mit bloßen Händen nach Coltan

Die Cheka-Miliz hat es auf die Minen abgesehen. „Sie nutzen die Mineralien, um neue Waffen zu kaufen“, erzählt der heute 17-Jährige. Serge heißt in Wahrheit anders. Er spricht ruhig, aber teilnahmslos.

– Quelle: https://www.shz.de/16636566 ©2018

Die Miliz habe in den Dörfern Arbeiter zwangsrekrutiert, darunter auch Kinder. Sie mussten Gold, Diamanten und Coltan fördern. „Wenn die Leute nicht gut gearbeitet haben, dann haben wir sie erschossen.“ 2016 gelang Serge während eines Gefechts die Flucht. Jetzt lebt der Teenager in der Stadt Minova in der Provinz Süd-Kivu in einem Traumazentrum der Caritas. Es wird vom katholischen Hilfswerk Missio unterstützt.

Minova liegt auf einer Anhöhe am malerisch schönen Kivusee, der etwa fünf Mal so groß ist wie der Bodensee. Die Hügel leuchten saftgrün, die Erde ist fruchtbar im Ost-Kongo. Doch die Idylle trügt. Gerade die Provinzen Nord- und Süd-Kivu sind das Zentrum der Gewalt im Kongo. Und das trotz einer der größten UN-Friedensmissionen mit etwa 20.000 Blauhelmsoldaten. Der Staat ist schwach und korrupt, die Justiz eine Farce. Die Menschen sind den Konflikten ausgeliefert.

Befeuert wird die Gewalt von der Gier nach den Bodenschätzen. Man muss vielerorts nur in Flussbetten suchen oder etwas graben. Eine Mine besteht im Ost-Kongo oft nur aus einem Loch im Boden oder im Fels. Die Menschen buddeln dann einfach mit der Hand.

Polizei patrouilliert im Dorf mit Panzerfaust

Die weniger Armen nehmen Schaufel oder Hammer zur Hilfe, Maschinen sucht man hier vergeblich. Mushamuka Mweze ist ein solcher „Creuseur“, abgeleitet vom französischen Wort „ausgraben“. „Ich komme seit 16 Jahren in die Mine“, sagt der 25-Jährige. Mit Hammer und Meißel bearbeitet Mweze die Felsen in der Zola-Zola-Mine rund drei Stunden westlich der Stadt Bukavu.

– Quelle: https://www.shz.de/16636566 ©2018

Zola-Zola ist für kongolesische Verhältnisse ein guter Arbeitsplatz, denn in der Mine ist der Abbau des Zinnerzes Kassiterit und von Coltan legal. Die Sicherheitskräfte versuchen, die Anlagen vor den Milizen zu schützen, im Dorf wird sogar mit Panzerfaust patrouilliert. – Quelle: https://www.shz.de/16636566 ©2018

Im Kongo verdienen nach einer Schätzung des geologischen Dienstes der USA – kurz USGS – bis zu zwei Millionen Menschen ihr Geld mit dem Abbau von Mineralien. Wegen der Konflikte gibt es im Ost-Kongo kaum industrielle Minen. Experten des belgischen Instituts Ipsi haben in der Region mehr als 2000 kleine Minen wie jene in Zola-Zola gezählt.

Etwa jede zweite wird demnach von einer Miliz oder von Soldaten kontrolliert. Die meisten Abbaustätten sind illegal, was bewaffneten Gruppen die Ausbeutung erleichtert. Arbeiter müssen dort bei vorgehaltener Kalaschnikow für gefundene Mineralien „Steuern“ zahlen.

Auch sexuelle Gewalt wird im Ost-Kongo von Milizen als Kriegswaffe eingesetzt. Eine UN-Studie ging für das Jahr 2012 für Nord- und Süd-Kivu von 12.000 Vergewaltigungen aus. So erging es auch Espérance Furaha. Sie war 14 Jahre alt, als Rebellen ihr Dorf angriffen. „Es war schrecklich. Neun Männer haben mich vergewaltigt.“

Trump könnte bewaffnete Gruppen wieder stärken

Seit Jahren gibt es Bemühungen, die Verbreitung sogenannter Konfliktmineralien zu stoppen, um Menschenrechtsverletzungen einen Riegel vorzuschieben. Auch in Europa. Der Kongo steht besonders im Fokus. Am weitesten geht eine US-Regelung im sogenannten Dodd-Frank-Gesetzespaket für Finanzreformen. Sie zwingt in den USA börsennotierte Firmen seit einigen Jahren offenzulegen, woher sie Gold, Tantal, Zinn und Wolfram beziehen. Sie haben die Pflicht nachzuweisen, dass sie den Konflikt im Ost-Kongo nicht anheizen.

Seither müssen Mineralien wie Coltan in Säcke verpackt werden, die verplombt und beschriftet werden. Das soll die Herkunft aus legalen, „konfliktfrei“ genannten Minen beweisen. Doch das System hat Lücken.

Hunderte ungenehmigte Minen sind davon gar nicht erfasst. Das zwingt die „Creuseurs“ entweder zum Verkauf auf dem Schwarzmarkt oder sie schmuggeln ihre Ware in eine legale Mine, um sie dort ordnungsgemäß verpacken zu lassen. Zudem gibt es die Verplombungen zu kaufen.

Trotzdem sind sich die meisten Fachleute einig, dass sich dank der Dodd-Frank-Regelung vieles im Ost-Kongo verbessert hat. Doch nun droht eine Rolle rückwärts: US-Präsident Donald Trump will das bei der Industrie unbeliebte Gesetz aussetzen.

Kirchenvertreter und Menschenrechtler protestieren. „Dodd-Frank hilft, zu verhindern, dass sich brutale Kriegsherren im Kongo an den Mineralien bereichern“, betont Arvind Ganesan von Human Rights Watch. Auch wenn sich der Weg zum Weltmarkt für belastete Ware bisher nicht voll abdichten lässt. Experten gehen davon aus, dass große Mengen des Coltan-Erzes aus Nord- und Süd-Kivu nach Ruanda geschmuggelt werden und dort als konfliktfrei auftauchen.

Deutsche Firma dabei in Coltan-Verarbeitung

Der Weg des Rohstoffes führt häufig auch nach Deutschland. Der Chemie- und Metallspezialist H.C. Starck kauft Coltan im Kongo und bringt es zum Beispiel über den tansanischen Hafen Daressalam in seine Schmelzen, entweder nach Thailand oder zum Firmensitz im niedersächsischen Goslar. Dort wird Coltan in seine Hauptbestandteile gespalten: Tantal und Niob. Nach der Verarbeitung verkauft Starck das Tantal etwa an Kondensator-Hersteller in Asien. Diese beliefern dann Endgeräte-Produzenten wie Samsung, Apple oder Lenovo.

Starcks Schmelzen sind seit Jahren als konfliktfrei zertifiziert. Die Firma setzt sich auch für nachhaltige Rohstoffbeschaffung ein. Davon weiche man „keinen Millimeter ab“, heißt es. Experten sehen Starck als eines der führenden Unternehmen im Tantal-Geschäft.

Bei Apple sind nach eigenen Angaben seit Ende 2015 alle Schmelzen und sonstigen Mineralienzulieferer für die Geräte als konfliktfrei zertifiziert. Doch der iPhone-Hersteller ist realistisch: Trotzdem sei es voreilig, die gesamte Lieferkette konfliktfrei zu nennen. „Apple ist der Überzeugung, dass wir noch mehr Arbeit vor uns haben“, heißt es auf der Firmenwebseite. Langfristig peilt der US-Konzern an, auf die Förderung neuer Rohstoffe zu verzichten. Es solle etwa Material aus alten Handys wiederverwendet werden.

– Quelle: https://www.shz.de/16636566 ©2018

Die kleine Initiative Fairphone versucht ebenfalls zu beweisen, dass ein Smartphone mit guten Arbeitsbedingungen von der Mine bis zum Hersteller möglich ist. Die Niederländer schlüsseln die Zulieferer auf, bis hin zu einzelnen Minen. Seit 2013 hat Fairphone nach eigenen Angaben 100.000 Handys verkauft – ein Bruchteil von dem, was Anbieter wie Apple und Samsung absetzen.

Bei Kaffee oder Tee sind Verbraucher in Europa oft bereit, für fair gehandelte Produkte etwas mehr zu zahlen. Wenn es nach dem Willen von Vertretern der katholischen Kirche ginge, sollte das auch für Handys gelten. „Es ist schrecklich, dass diese Erze mitunter mit dem Blut der Mitmenschen erkauft sind“, sagt der Erzbischof von Bukavu, Francois-Xavier Maroy. Ein Umdenken sei nötig, fordert er in einem Aufruf der Hilfsorganisation Missio. Denn für Coltan werde bisweilen „eine ganze Dorfgemeinschaft niedergemetzelt“.

– Quelle: https://www.shz.de/16636566 ©2018

https://www.shz.de/incoming/da…reichtums-id16636566.html

https://www.okitalk.com/article/34-das-krisenland-kongo-und-der-fluch-des-reichtums/

Coltan-Bergbau, Gewalt, Ausbeutung, Krieg und Zerstörung der Umwelt

Coltan-Bergbau

Coltan wird durch einfache, bzw. primitive Prozesse gefördert, ähnlich, wie im 19. Jh. in Amerika Gold gewaschen wurde. Dutzende von Männern beseitigen die sandige Oberfläche und graben große Krater in Flussbetten, um an den Coltan-Untergrund zu gelangen. Aus diesen Löchern wird dann mittels Wasser der Coltan-haltige Schlamm in großen Pfannen oder Wannen gewaschen, wobei die schweren, oft abgerollten Coltan-Erzstücke sich am Boden der Waschpfannen sammeln. Ein guter Arbeiter kann auf diese Weise bis zu 1 kg Coltan am Tag fördern.

In Afrika wird mehr Coltan gefördert als in der übrigen Welt; führend sind die Demokratische Republik Congo (DRC) sowie Mozambique, deren Anteil an der Coltan-Förderung ca. 29% beträgt. Aufgrund der vielen reichhaltigen Lagerstätten hat Afrika jedoch auch eine Coltan-Geschichte, verbunden mit politischer Gewalt, Ausbeutung und Krieg. Die (DRC) steht vornan als der weltweit größte Produzent von „Blut-Coltan“, welches aus Konfliktzonen stammt.

Jedoch – nicht alles Coltan kommt aus Konfliktzonen. Gefördert wird auch in kriegfreien Ländern wie Ägypten, Äthiopien, Nigeria, Namibia, Ghana, Gabun und Mozambique.

Coltan - Abbau im Kongo
Coltan – Abbau im Kongo

Coltan-Abbau

Blogo.it
Coltan-Abbau im Kongo
Coltan-Abbau im Kongo

Schürfer im coltanhaltigen Schlamm

Blogo.it
Coltan-Abbau im Kongo
Coltan-Abbau im Kongo

Schwerstarbeiter mit Coltanschlamm

Blogo.it

Demokratische Republik Congo (DRC)

Der Coltan-Abbau im Kongo konzentriert sich im Wesentlichen auf die Kivusee-Region in der Demokratischen Republik Kongo. In den Schürfgruben gewinnen Erdarbeiter (engl. „local diggers“, frz. „creuseurs“) aus dem Erdreich durch Nasssiebung und Schweretrennung Konzentrate für die weitere Verhüttung. Die Spitzenwerte in diesen Konzentraten liegen bei 40 bis 45 % Tantalit (Tantaloxid Ta2O5). Im Jahr 2003 konnten einzelne Schürfer noch bis zu 2000 US-Dollar verdienen, wobei das durchschnittliche Jahreseinkommen in dem Land laut Weltbank bei 80 US-Dollar und 2010 lt. US Department of State bei 189 US-Dollar lag. Das Coltan aus dieser Region ist oftmals mit radioaktiven Elementen und Zinnerzen (Cassiterit) vermischt.

Der Coltan-Bergbau der Demokratischen Republik Kongo (DRC) verletzt wie nirgendwo auf der Welt die Menschenrechte; alle Coltan-Konflikte haben in der DRC begonnen.

Coltan wird als Konfliktmineral eingestuft. Die Arbeitsbedingungen (inklusive Kinderarbeit) gelten als sehr inhuman. Die hohen Gewinne und die mangelnde staatliche Überwachung während des Bürgerkrieges in der Demokratischen Republik Kongo führten zu völlig planlosen Bergbauaktivitäten. Gravierende Umweltschäden waren die Folge. Unter anderem wurden größere Flächen des schon stark reduzierten Lebensraumes der Gorillas zerstört.

Gleichzeitig ermöglichen die Einnahmen aus dem Bergbau und mangelhaft kontrollierte Embargos den lokalen Milizführern – vor allem Rebellen des Rassemblement Congolais pour la Démocratie (RCD, „Kongolesische Vereinigung für Demokratie“) – die Bezahlung von Soldaten, den Kauf von Waffen und die Fortsetzung des Bürgerkrieges. Als Geschäftsführer setzte die RCD eine in der ganzen Region berüchtigte Frau ein: Aziza Gulamali Kulsum, die schon seit Jahren einen Großteil des Handels mit dem begehrten Erz dominiert. Sie war jahrelang die Hauptgeldgeberin der Hutu-Rebellen in Burundi, die inzwischen vom benachbarten Kongo aus operieren. Einem kongolesischen Forschungsinstitut (Pole Institut – Institut Interculturel dans la Région des Grands Lacs) zufolge ist Gulamali eines der zentralen Glieder des Netzes aus Waffenhändlern und Schmugglern in der Region.

Rwanda, Burundi und Uganda

Rwanda, Burundi und Uganda sind eng mit dem Coltan-Konflikten in der DRC verbunden; sie werden beschuldigt, Coltan über die Grenzen zu schmuggeln, um es in China aufzubereiten, wobei sie zu behaupten, dass das Erz aus nationalen Bergbaubetrieben stammt. Neben den Macht- und Profitkriegen ist Kinderarbeit eines der größten Probleme des afrikanischen Coltan-Abbaus; es werden zehntausende von Kindern ab dem 12. Lebensjahr benutzt, um in den Minen zu arbeiten. Nach Angaben des U.S. Geographic Survey hat Rwanda im Jahr 2011 mehr als 25% des weltweiten Coltans gefördert, weitaus mehr, als dies in rwandesischen Lagerstätten enthalten ist. Der Coltan-Bergbau Rwandas steht in engstem Zusammenhang mit dem Bergbau in der DRC, wovon einige in Konfliktgebieten liegen und einige sich außerhalb dieser umstrittenen Zonen befinden. Von den 10 großen Bergbauunternehmen Rwandas haben lediglich vier davon Sorge getragen, dass ihr Abbau nicht vom Problem der Konfliktzonen betroffen ist. Rwanda, zusammen mit Burundi und Uganda, war auch mehrfach beschuldigt, in den Coltan-Schmuggel vom Kongo verwickelt zu sein. Da Uganda und Burundi keine eigene Coltan-Industrie haben, sind diese Vorwürfe nur schwer durch die UN nachvollziehbar. Man geht davon aus, dass ungefähr die Hälfte des Rwanda-Coltans aus Konfliktregionn in der DRC stammen.

 

Ausbeutung, Gewalt und Krieg

Die Arbeitsbedingungen (inklusive Kinderarbeit) gelten als sehr inhuman. Die hohen Gewinne und die mangelnde staatliche Überwachung während des Bürgerkrieges in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) führten zu völlig planlosen Bergbauaktivitäten. Gravierende Umweltschäden waren die Folge. Unter anderem wurden größere Flächen des schon stark reduzierten Lebensraumes der Gorillas zerstört. Gleichzeitig ermöglichen die Einnahmen aus dem Coltan-Abbau und mangelhaft kontrollierte Embargos den lokalen Milizführern die Bezahlung von Soldaten, den Kauf von Waffen und die Fortsetzung des Bürgerkrieges. Als Geschäftsführer setzte die RCD eine in der ganzen Region berüchtigte Frau ein: Aziza Gulamali Kulsum, die schon seit Jahren einen Großteil des Handels mit dem begehrten Erz dominiert. Sie war jahrelang die Hauptgeldgeberin der Hutu-Rebellen in Burundi, die inzwischen vom benachbarten Kongo aus operieren. Einem kongolesischen Forschungsinstitut (Pole Institut – Institut Interculturel dans la Région des Grands Lacs) zufolge ist Gulamali eines der zentralen Glieder des Netzes aus Waffenhändlern und Schmugglern in der Region. Der Coltan-Bergbau der DRC verletzt wie nirgendwo auf der Welt die Menschenrechte; alle Coltan-Konflikte haben in der DRC begonnen.

Kindersoldat im Kongo
Kindersoldat im Kongo

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Mostolesp

 

Global Players

Rund die Hälfte des weltweiten Coltans wird von H. C. Starck, bis 2006 eine hundertprozentige Tochterfirma der Bayer AG, aufgekauft und verarbeitet. Weitere wichtige Verarbeiter sind Treibacher (Österreich), Cabot (USA), Mitsui (Japan) und Ulba (Kasachstan).

Eine NGO-basierte Studie von 2010 weist auch der Firma Glencore mit Sitz in Baar/ZG in der Schweiz eine bedeutende Rolle im Coltan-Abbau in Zentralafrika zu. Laut der Studie plant Glencore über die Tochterfirma Katanga Mining Limited zum weltgrößten Förderer von Coltan zu werden. Die Schürfmengen sollen bis 2015 auf 30.000 t gesteigert werden. Gemäß der Studie arbeitet Glencore mit ungerechten Verträgen, Missachtung von Menschenrechten und Steuerunterschlagung. Glencore bestreitet alle Vorwürfe und bezeichnet die Studie als fehlerhaft.

Quellen

  • Peyer, C., 2012; Contrats droits humains et fiscalité: comment une entreprise dépouille un pays. Le cas de Glencore en République Démocratique du Congo. (deutsch): Chantal Peyer: Wie ein Weltkonzern ein Land ausbeutet: Das Beispiel von Glencore in der DR Kongo. (Zusammenfassung der Studie über Glencore auf deutsch)
  • Piasecki Poulsen, F., 2010; Blood in the Mobile; (Dokumentarfilm) Deutschland/ Dänemark 2010
  • Regenass, R., 2011; Plündern Rohstoffriesen schwache Entwicklungsländer aus? Tagesanzeiger Schweiz
  • Werner, K., Weiss, H., 2001; Schwarzbuch Markenfirmen. Die Machenschaften der Weltkonzerne. Deuticke, Frankfurt am Main 2001

 

https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Mineralienportrait/Tantal,%20Niob%20und%20Coltan/Coltan-Bergbau,%20Gewalt,%20Ausbeutung,%20Krieg%20und%20Zerst%F6rung%20der%20Umwelt

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https://blackandwhitenetzwerk.wordpress.com/2018/10/05/vergewaltigung-als-perfide-kriegswaffe-die-politiker-der-welt-wissen-darum-seit-vielen-jahren-und-massenvergewaltigungen-in-kriegsgebieten-wie-dem-osten-von-kongo-kinshasa-nehmen-zu-und-werden-imme/

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