In Ghana leben zehn Prozent der Bevölkerung vom Fischfang. Ghanas Küsten zählten einst zu den fischreichsten Gewässern der Welt. Dann aber zwang die Weltbank das Land zur Abwrackung und Privatisierung der staatlichen Flotte. Damit waren die heimischen Gewässer den Fremden preisgegeben.

Ghanas Küsten zählten einst zu den fischreichsten Gewässern der Welt: Barrakudas, Heringe, Makrelen, Haie, Thunfische, Tintenfische und Barsche schwammen hier, außerdem gab es Hummer, Langusten, Krabben, Muscheln und Schildkröten. Ghana war neben dem Senegal die bedeutendste Fischfangnation Westafrikas mit einer mehr als 500 Jahre alten Tradition. Bis heute ist Fisch eine der wichtigsten tierischen Proteinquellen der Bevölkerung, drei Viertel des heimischen Fangs werden lokal konsumiert. 300 Anlegestellen hat das Fishery Committee for the Gulf of Guinea an der 550 Kilometer langen ghanaischen Küste gezählt. Darunter sind die beiden Tiefseehäfen in Tema und Takoradi aber auch Dörfer wie Kokrobite. Etwa zwei Millionen Ghanaer leben von der Fischerei – zehn Prozent der Bevölkerung. 125 000 von ihnen sind Meeresfischer wie Joshua Akaa. Die anderen arbeiten als Verkäufer, Zwischenhändler oder Bootsbauer. Doch sie alle bangen um ihre Existenz. Sind Ghanas Fischgründe erschöpft?

Als Joshuas Männer ihr Netz einholen, sind zerfetzte Quallen das Erste, was darin hängt. Es folgen Plastiktüten, Plastikflaschen, Kunststoffsandalen. Dann, nach einer Weile zappeln die ersten Fische an Deck: drei Rote Schnapper.

Die Katastrophe begann, als Joshua Akaa noch ein Kind war. 1977 beschlossen die Vereinten Nationen, die Hoheitsgewässer von Meeresanrainern auf 200 Seemeilen auszuweiten. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass die Zone zwischen der zwölften und der 200. Seemeile zur wirtschaftlichen Nutzung ausgeschrieben werden müsse, wenn ein Land diese nicht selbst gewährleisten könne, was vor allem Industrienationen mit leistungsstarken Fahrzeugen begünstigte. Erst vor wenigen Monaten hat so die Elfenbeinküste der EU in einem „Fischereipartnerschaftsabkommen“ bis 2018 das Recht abgetreten, pro Jahr 6500 Tonnen Thunfisch und andere Wanderfische zu jagen. Dafür erhält das Land 680 000 Euro pro Jahr.

Andere Länder erhalten deutlich mehr. Etwa Mauretanien, das allein dieses Jahr 70 Millionen Euro kassieren wird. Die Lizenzgebühren werden künftig von den Reedern der Fangschiffe, etwa der Doggerbank Seefischerei GmbH, eingefordert, an dem Geschäft beteiligt ist allerdings auch der europäische Steuerzahler. Dass die Gelder oft in die Taschen korrupter Beamter fließen, statt zur Förderung einer „verantwortungsvollen Fischereipolitik“ in Afrika verwendet zu werden, wie es in den Verträgen heißt, ist kein Geheimnis.

In Brüssel betont man dennoch das Positive der Abkommen: Die EU-Flotte sei ausgelastet und Arbeitsplätze seien gesichert. Außerdem würden die überfischten europäischen Fanggründe entlastet.

Ghana weigerte sich von Anfang an, Fischereiabkommen zu schließen. Das Land war selbst in der Lage seine Küsten abzufischen, weil es 140 Trawler aus sowjetischer Fabrikation besaß. Dann aber zwang die Weltbank das Land zur Abwrackung und Privatisierung der staatlichen Flotte, die überwiegend von Koreanern und Chinesen aufgekauft wurde. Damit waren die heimischen Gewässer den Fremden preisgegeben. Die britische Beraterfirma Marine Resources Assessment Group schätzt, dass Ghana jeden Tag illegal um Fische im Wert von 100 000 US-Dollar gebracht wird. Vor der Küste kreuzen Trawler aus Honduras, Liberia oder Panama neben solchen von russischen, chinesischen und europäischen Reedern.


 

mehr:

https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/fischerei-in-ghana-leben-zehn-prozent-der-bevoelkerung-vom-fischfang/9488550-5.html

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