Befreiende Bildung: Bildung der Fähigkeit zur Autonomie, zur Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit: Anknüpfen an Paulo Freire: Pädagogik der Unterdrückten

 

Kira Funke
Paulo Freire
Werk, Wirkung und Aktualität

http://www.uni-koeln.de/hf/konstrukt/waxmann/funke_freire.pdf

Der politische und internationale Pädagoge Paulo Freire (1921 – 1997)

Es gibt Leuchttürme in der pädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Geschichte und Gegenwart, die über die deutsche Blickrichtung hinaus reichen und Zeichen setzen. Der lateinamerikanische, brasilianische Pädagoge, Aufklärer und Entwicklungshelfer Paulo Freire ist so einer! Die deutsche, pädagogische Rezeption führt ihn meist unter den Stichworten „Erziehung zur Befreiung“ und „Pädagogik der Autonomie“ (vgl. dazu die Rezension zu Peter Schreiner u.a., Hrsg., Paulo Freire, Pädagogik der Autonomie. Notwendiges Wissen für die Bildungspraxis, Waxmann Verlag 2008). Freire Weg als politischer Denker ist verschlungen und anstrengend – mit den vielfältigen Aktivitäten in Brasilien, nach dem Militärputsch 1964 als Kritiker und Widerstandskämpfer des Landes verwiesen, einem Zwischenstopp in Bolivien, auch von dort wegen eines Staatsstreichs vertrieben, dem Asyl in Chile und seiner Mitarbeit bei den Alphabetisierungskampagnen der UNESCO, die ihn zu seiner „Pädagogik der Solidarität“ ermunterten, anfangs der 1970er Jahre als Leiter der Abteilung der Abteilung für Bildungsfragen beim Ökumenischen Rat der Kirchen nach Genf, wo er eine marxistisch-revolutionäre Position entwickelte, die seiner Meinung nach notwendig sei, um Armut und Unwissenheit in der Welt zu beseitigen. Schließlich 1980 seine Rückkehr nach Brasilien, um an der Universität in São Paulo zu lehren und seine Idee einer „Pädagogik der Befreiung“ weiter zu entwickeln. Als Mitglied der brasilianischen Arbeiterpartei Partido dos Trabalhadores (PT) und Leiter des Städtischen Sekretariats für Bildung und Erziehung in São Paulo hatte Paulo Freire erheblichen Einfluss darauf, dass sich in Lateinamerika und darüber hinaus das Bildungsbewusstsein vor allem der Benachteiligten in der Gesellschaft entwickelte. Sein Credo, das mit dem Ausrufezeichen setzendem Konzept der „Pädagogik der Befreiung“ beginnt, wird fortgesetzt mit dem gegenwartsbezogenen und zukunftsorientierten Aufmunterungszeichen seiner „Pädagogik der Hoffnung“. Paulo Freire erhielt für seine pädagogische und politische Arbeit vielfältige Anerkennungen. Von mehreren Universitäten überall in der Welt wurde er mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet, in Deutschland von der Universität Oldenburg. Die Liste der Primärliteratur Paulo Freires umfasst rund 60 grundlegende Beiträge, überwiegend in Portugiesisch und Englisch; die Sekundärliteratur über Paulo Freire und seine Pädagogik ist ungezählt; sie nimmt in dem im folgenden zu besprechenden Buch 25 Seiten ein.

Entstehungshintergrund und Autorin

Die Rezeption der „Paulo-Freire-Pädagogik“ wird überall in der Welt in offensiver Weise geführt. Es sind vor allem die Bewegungen und pädagogischen Strömungen, die mit den überkommenen und traditionellen Entwicklungen im Bildungs- und Erziehungswesen nicht einverstanden sind und Reformen propagieren und einleiten wollen. So sind auch in Deutschland die Ideen der Freire-Pädagogik von den Reformbewegungen der 1960er Jahre aufgenommen worden und bis heute lebendig. Es gibt in Deutschland zwei Vereinigungen, die sich mit dem Slogan „befreiende Pädagogik“ mit der Paulo-Freire-Pädagogik beschäftigen und ihre Umsetzung in schulische und außerschulische Bildungsbereiche fördern: Da ist zum einen die Paulo-Freire-Gesellschaft (PFG), mit Sitz in München, seit 2009 in Berlin. Sie wendet sich an Lehrerinnen, Lehrer, Sozialarbeiterinnen, Sozialarbeiter, Lehrende und Studierende an Hochschulen, mit dem Ziel „mit den emanzipatorischen Methoden im Kontext der befreienden Pädagogik zu arbeiten und sich gelegentlich dazu auf den verschiedenen Ebenen austauschen„; und die in Oldenburg ansässige Paulo-Freire-Kooperation mit dem angeschlossenen Paulo-Freire-Verlag: „Die Paulo Freire Kooperation e.V. ist ein internationaler Zusammenschluss von Menschen, die sich an den Ideen Paulo Freires orientieren und den Weg einer dialogorientierten Gesellschaft gehen wollen“. Besonders die PFK wirkt durch die zahlreichen Publikationen, in denen in den fach- und themenspezifischen Reihen der Dialog und der Diskurs zur Paulo-Freire-Pädagogik geführt wird und Konzepte und Erfahrungen bei der Umsetzung in die pädagogischen Bereiche in Deutschland und in der internationalen Sozialarbeit diskutiert werden Die pfk gibt auch die Zeitschrift „Dialogische Erziehung“ heraus und legt in den Jahrbüchern eine Zusammenfassung ihrer Arbeit vor.

Paulo Freire gilt als ein Klassiker der Veränderungs- und Innovationsbemühungen im theoretischen und praktischen Bildungsbereich. Die Freiresche „educatión popular“, die bei uns als „Befreiungspädagogik“ bekannt ist, wird in Lateinamerika zu einer „Pädagogik sozialer Bewegungen“ weiterentwickelt, bei der sich Elemente der „Straßenpädagogik“ und der „Straßensozialarbeit“ verbinden mit den strategischen Zielen, junge Menschen stärker und bewusster an den strukturellen Veränderungen zu beteiligen und die täglichen Überlebensprobleme gemeinsam mit anderen zu meistern. Ohne Zweifel ist diese Zuschreibung für engagierte Studierende der bildungs- und sozialwissenschaftlichen Fächer ein Anreiz, sich mit der Person und dem Werk des lateinamerikanischen Pädagogen auseinander zu setzen.

Kira Funke hat während ihres erziehungswissenschaftlichen Studiums in einem Straßenkinderprojekt in Brasilien hautnah erfahren, wie die Ideen der „Pädagogik der Befreiung“ umgesetzt werden können (vgl. dazu: Manfred Liebel, „Wir sind die Gegenwart“. Kinderarbeit und Kinderbewegungen in Lateinamerika, 1995; sowie: Manfred Liebel / Bernd Overwien / Albert Recknagel, Hrsg., Arbeitende Kinder stärken. Plädoyers für einen subjektorientierten Umgang mit Kinderarbeit, 1998: und: Manfred Liebel, Wozu Kinderrechte. Grundlagen und Perspektiven. Unter Mitarbeit von Beatrice Hungerland, Anja Liesecke, Claudia Lohrenscheit und Albert Recknagel, 2007, Rezensionen). Kira Funkes Sensibilisierung war geweckt, auch zur theaterpädagogischen Arbeit, wie sie von Augusto Boal entwickelt wurde, der sich auf die „Pädagogik der Unterdrückten“ beruft. Sie beschäftigte sich damit, Freires Arbeiten in der Originalsprache zu lesen und sich so gewissermaßen zur „Freire-Spezialistin“ zu entwickeln. Ihre Dissertation, die sie, betreut vom Erziehungswissenschaftler Kersten Reich, der als Begründer des didaktischen Ansatz des Interaktionistischen Konstruktivismus gilt, an der Kölner Universität vorgelegt hat, wird mit dem Band „Paulo Freire. Werk, Wirkung und Aktualität“ nunmehr publiziert.

Kira Funke ist Lehrbeauftragte in Köln und u. a. Leiterin des Bundesmodellprojektes „freiwillig? – na klar! Freiwilligendienste von jungen Menschen mit Migrationshintergrund in den Jugendmigrationsdiensten“ in Bonn. Auch hierbei wird deutlich, dass bei Funkes Arbeit Paulo Freire Pate steht und Motor ist. Kersten Reich charakterisiert Kira Funkes Arbeit als künftiges Standardwerk in der Freire-Forschung nicht nur im deutschen Sprachraum. Alors! Auch wenn diese Wertung nicht von allen Leserinnen und Lesern unterschrieben werden wird, so lässt sich doch sagen: „Der Verfasserin gelingt es, in wohlwollender Kritik zwar wesentliche Schwachstellen anzusprechen und offen zu diskutieren, aber sie vermeidet jede Besserwisserei und zeigt die vorhandenen Stärken des Ansatzes auch durchgehend auf. Dadurch, dass sie die komplette Breite der Schriften beachtet, gelingt es ihr zugleich, das Bild über Freire gegenüber dem bisherigen Stand der Forschung zu differenzieren und insgesamt neu einzuschätzen“.

Aufbau und Inhalt

Kira Funke gliedert ihre Arbeit, die sie sowohl für Leserinnen und Leser schreibt, die den Ansatz Freires nicht kennen und sich mit seiner Pädagogik auseinandersetzen wollen, als auch für diejenigen, die Freires Gedanken und sein praktisches Wirken bereits rezipiert haben und sich mit den Befunden einen neuen, erweiternden Blick ermöglichen wollen, in sechs Kapitel und schließt sie mit einem Fazit und Ausblick ab.

Im ersten Teil informiert sie über „Leben, Denken und Zeit Paulo Freires“, mit einem biografischen Überblick über Freires Leben und Wandern, einer geschichtlichen Verortung, die aufzeigt, wie sich die historische Entwicklung in Brasilien direkt oder indirekt im pädagogischen Ansatz Paulo Freires verdeutlichen lässt, und diskutiert die ideengeschichtlichen Wurzeln, an denen Freire seine Theorie und Praxis orientiert. Dabei wird auch deutlich, dass Freires Werk nicht allein und in erster Linie als „wissenschaftliche“ Arbeit zu verstehen ist, sondern seine literarische und auch predigende Schreibe von einem aufklärerischen und „heilsbringenden“ Duktus bestimmt ist. Diese Einschätzung der Autorin dürfte freilich bei anderen Rezipienten auf Protest stoßen; auch wenn Kira Funke diese vorgenommene Wertung nicht negativ verstanden wissen will. Immerhin tut sich hier eine Kontroverse auf, die zu diskutieren ist: Heißt philosophieren und produzierendes, wissenschaftliches Denken, sich streng an die vorgegebenen Regeln und Verständnisweisen zu halten, oder sind nicht auch „erhellende Lektüren„… die mich vor Freude zu einem quasi jugendlichen Lachen“ bringen, wie Freire einmal formuliert, „die theoretische Erklärung meiner Praxis, oder die Bestätigung des theoretischen Verständnisses, das ich von meiner Praxis hatte“. Die Darstellung dieser ideengeschichtlichen Hintergründe ordnet die Autorin, indem sie zum einen die Ideen und Grundlagen des Christentums und der lateinamerikanischen Befreiungstheologie aufzeigt, marxistisches und sozialistisches Gedankengut formuliert, an existenzphilosophische Bezüge erinnert und sein phänomenologisches Denken kritisch hinterfragt. In jedem Fall bleibt: Empathie hat für Freires pädagogischer Praxis eine herausragende Schlüsselfunktion.

Im zweiten Kapitel betrachtet die Autorin Freires Gesellschafts- und Menschenbild, indem sie ihn als „christlichen Aufklärer“, als „linken Modernisierer“ und als „modernen Postmodernen“ darstellt. Diese Klassifizierung ist ungewöhnlich; Kira Funke bringt dazu aber eine Reihe von Belegen und Argumentationen, die durchaus als logisch verstanden werden können. Gelingt es, die verschiedenen Facetten seines Denkens und pädagogischen Handelns zusammen zu führen zu einem Hauptstrang, so kann sich der ausdrücken in dem, was er 2000 formuliert: „Der Traum von einer besseren Welt entsteht im Innersten meines Gegenteils“.

Der dritte Teil befasst sich mit Freires Pädagogikverständnis. Er dürfte, nach Einschätzung des Rezensenten, zum größten Kontroverspunkt in der Rezeption von Funkes Buch werden. Denn Freires Verständnis von Bildung lässt sich nicht an den Benennungen und Begrifflichkeiten analysieren, die er für seine theoretischen Entwürfe und seine praktischen Anweisungen für pädagogisches, aufklärerisches Handeln benutzt: educandor, coordenador, alfabetizando, professor… Ist die Benennung als „liebevoller Befreier“ hinreichend, um die eigentlich ja knallharten Aufweisen der bestehenden, gesellschaftlichen Wirklichkeit, die er mit den Analyse-Instrumenten der Bankiers-Methode und dem Konzept der problemorientierenden Erziehung verdeutlicht? Seine (politische) Unterscheidung von formaler und nonformaler Erziehung und Bildung sollten in der erziehungswissenschaftlichen Diskussion neu aufgenommen werden. Insofern ist Kira Funkes Einschätzung, Freires Werke seien „in erster Linie stark präskriptiv und wenig instruktiv“ kaum haltbar.

Das vierte Kapitel nimmt sich die vorfindbaren Wirkungen der Freire-Pädagogik in der brasilianischen Theorie und Praxis vor. Diese Fragestellung ist insofern von Bedeutung, als (scheinbar?) Paulo Freires pädagogisches Denken und Handeln in anderen lateinamerikanischen Ländern, etwa in Chile, in Afrika und in Europa, auch in Deutschland, intensiver wirksam war und ist als in seinem Heimatland Brasilien. Indem die Autorin sowohl die institutionellen Einflüsse und Markierungen aufzeigt, etwa an den Universitäten, der Lehrerbildung und durch die Praxis des Instituto Paulo Freire in São Paulo, und die Argumentationen und Befindlichkeiten von Freire-Praktikern, -befürwortern und –kritikern darstellt, wird deutlich, dass sich Freires Einflüsse in stärkerem Maße auf den imaginären Ebenen von Lern- und Erlebensprozessen zeigen, als in den institutionalisierten Bildungseinrichtungen, denn „Bewusstseinsbildung im Sinne von Stärkung des Selbstbewusstseins, Bewusstsein und Wahrnehmung des eigenen Wertes und der eigenen Fähigkeiten sind die Grundlage von jeglicher Bildung und Erziehung“.

Gespannt werden die deutschen Leserinnen und Leser das fünfte Kapitel beachten, in dem es um die „Rezeption und Wirkung in der deutschsprachigen Theorie und Praxis“ geht. Von dem 1971 in deutscher Sprache erstmals veröffentlichtem Buch „Pädagogik der Unterdrückten“ sind ohne Zweifel in der reformbewegten Zeit in der Bundesrepublik wichtige Impulse, insbesondere für die auf gesellschaftlicher Aufklärung und Emanzipation orientierten Jugend, ausgegangen. Die Geschichte des Zusammenfindens der deutschen Freire-Anhänger freilich ist alles andere als dialogisch: Die Anfang der 1970er Jahre hoffnungsvollen Ansätze, sich in der „Arbeitsgemeinschaft sozialpolitischer Arbeitskreise“ (AGSOPAK) und hier im „Arbeitskreis Pädagogik Paulo Freire“ zusammen zu finden, erfüllten die Erwartungen nicht. Als Ilse Schimpf-Herken in den 1990er Jahren in Vertretung von Manfred Liebel an der Berliner Freien Universität lehrte und 1999 das Paulo Freire Institut (PFI) gründete, da knarrte es bereits in der deutschen Freire-Community. 1994 gründete sich in München die Paulo Freire Gesellschaft (PFG) und 1996 in Oldenburg die Paulo Freire Kooperation (PFK). Die Lesart, dass die PFG sich als mehr praktisch-orientiert in ihrer Vereinsarbeit verstünde und die PFK eher theoretisch-wissenschaftlich, ist in der Arbeit der beiden Organisationen nicht nachvollziehbar.
Die Versuche Kira Funkes, in diesem Gewirr von Meinungen, Standortbestimmungen, Animositäten und tatsächlich unterschiedlichen und begründeten Strategien eine objektive Analyse zu liefern, scheitern. Nach dem Eindruck des Rezensenten vor allem deshalb, weil die Autorin selbst Partei nimmt für die eine Seite und die andere gering schreibt. Dadurch freilich vergibt sie die Chance, die in ihrem Buch steckt, nämlich durch Dialog zu einem gemeinsamen Weiterdenken und pädagogischen Handeln im Sinne der Freireschen dialogischen Erziehung bei den deutsch-(sprachigen) Freireanern zu kommen. Eine Möglichkeit wäre denkbar: Würde eine „unabhängige“, zentrale Einrichtung, wie etwa die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, die Internationale Akademie zur Humanisierung der Bildung (IAHB) oder eine ähnliche, kompetente Organisation die Initiative ergreifen, um die Freire-Community national und international zu einem Dialog zusammen zu bringen, könnte daraus das entstehen, was Paulo Freire eben mit einem fruchtbaren Dialog meinte.

Im sechsten Kapitel schließlich, gewissermaßen als Fingerzeig für weitere Forschungen, diskutiert Kira Funke den Einfluss, den Paulo Freire auf die nordamerikanische Debatte der „Critical Pedagogy“ genommen hat. „Kritische Pädagogik“ meint dabei „eine Pädagogik, die die gesellschaftlichen Bedingungen und hegemonialen Beziehungen, in denen Erziehung und Bildung stattfindet, als für sie konstituierend mit bedenkt und diese in Frage stellt und verändern möchte“. Das Anliegen lässt sich, nach Lankshear/McLaren wie folgt formulieren:

  • Die Welt als Erkenntnisgegenstand soll durch die Lerner selbst erkundet werden. Ihre Lernaktivität gründet sich in ihren eigenen Erfahrungen und Interessen.
  • Die historische und kulturelle Realität ist vom Menschen gestaltet und gestaltbar.
  • Die Lerner sollen lernen, den Zusammenhang zwischen den eigenen Lebensbedingungen und der Gestaltung gesellschaftlicher Wirklichkeit insgesamt zu erkennen.
  • Sie sollen sich der Neugestaltung von Wirklichkeit widmen. Diese Neugestaltung muss ein kollektives und soziales Unternehmen sein, in dem die Stimmen aller zur Geltung kommen.
  • Durch den Erwerb der Schriftsprachenkompetenz… erfahren die Lerner, dass sie Macht haben.
  • Die Lerner sollen die Mythen der dominierenden Kultur, die sie marginalisieren, als zu transzendierende erkennen.

Die Freireaner werden darin zahlreiche Prinzipien der Freire-Pädagogik wieder erkennen.

Fazit

Kira Funkes Arbeit über das Werk, die Wirkung und Aktualität Paulo Freires und seinem Denken und Tun Hier und Heute, wie auch die Rezeption seiner Hinterlassenschaften, ist, trotz der genannten Mängel, Unklarheiten und Missinterpretationen ein wichtiger Baustein für die Frage, was und wie Bildung in der sich immer interdependenter, entgrenzender und globalisierter entwickelnden EINEN WELT vollziehen sollte. Es kann ein Bollwerk gegen eine Kultur des Schweigens, des Machen-Lassens und des Ohne-mich-Standpunkts sein und ein „Plädoyer für eine Kultur des Fragens, des Enthüllens, des … Suchens, für eine Kultur der Widerspenstigkeit“. Für Paulo Freire sind Solidarität und Freiheit, Gemeinschaft und Individuum, Theorie und Praxis keine Gegensätze, sondern gleichwertige Bestandteile der für die Menschheit unverzichtbaren Herausforderung, mit Hilfe von Aufklärung, Bildung und Erziehung, die Gesellschaft zu verändern. Die Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ hat (1995) den Menschen überall in der Welt ins Stammbuch geschrieben: „Die Menschheit steht vor der Herausforderung umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“. Das hätte auch Paulo Freire formulieren können; und – vielleicht – sind diese Gedanken auch durch ihn und sein Wirken beeinflusst worden! Zu dem Buch sollten deshalb nicht nur die Freireaner greifen, sondern auch alle diejenigen in der Schule, der Sozialarbeit, der Hochschule und Erwachsenenbildung Tätigen, denen bewusst ist, dass die notwendige Gesellschaftsveränderung hin zu einer friedlicheren, gerechteren und humaneren Welt nicht ohne das eigene, gesellschaftliche und politische Engagement möglich ist!

https://www.socialnet.de/rezensionen/10306.php

Zusammenfassung des Testes: Link unten:
Paulo Freire (1921-1997), ein brasilianischer Human
ist, Volkspädagoge und Initiator
zahlreicher Alphabetisierungsbewegungen, widmete se
in Leben der Alphabetisierung und
„Befreiung“ der unterdrückten Bevölkerung Lateiname
rikas.
Freires Versuch der „Humanisierung“ und „Befreiung“
des Volkes bedurfte einer
besonderen pädagogischen Methodik: Seine „Befreiungs
pädagogik“ zeichnet sich im
Wesentlichen durch eine Gleichstellung der Lehrende
n mit den Lernenden aus und
handelt (damaligen und nach wie vor aktuellen) trad
itionellen, hierarchischen
Lehrmethoden zuwider.
Auf Grund der humanen Züge seines pädagogischen Kon
zeptes sind Freires Theorie und
Praxis nicht nur in Lateinamerika, sondern auch in
unseren Breitengraden bis heute hoch
bedeutend.

https://erwachsenenbildung.at/magazin/07-1/meb07-1_14_friesenbichler.pdf

Eine Welt schaffen, in der es

leichter sein wird, zu lieben

Aufklärung, Emanzipation, Bildung, für diese Themen hält sich der Norden zuständig und glaubt, sie den „Unterentwickelten“ aus dem Süden beibringen zu müssen. Dass uns jedoch auch der „Süden“ entscheidende Dinge zu sagen hat, beweist der brasilianische Pädagoge Paulo Freire. Nicht dass dies seine Absicht gewesen wäre, denn sein Interesse galt nicht der westlichen Kultur, sondern den Unterentwickelten, den Notleidenden, den Hungernden in den Ländern des Südens und deren Befreiung von der „weißen“ Vorherrschaft.

 

weiter: http://www.talktogether.org/index.php?option=com_content&task=view&id=87&Itemid=30

Universität Koblenz
Landau, Campus Koblenz
Fachbereich 1 Bildungswissenschaften
M 8.2 Lebensproblemzentrierter Unterricht
Dozentin: Dr. Jutta Lütjen
Referentin: Oxana Belov
12.11.15
Die Pädagogik der Unterdrückten
“ von Paulo Freire
Bankiers
Methode
Freire kritisiert den Positivismus
und die „Kultur des Schweigens“
seiner Zeit und nennt die
vorherrschende Unterrichtsmethode „Bankiers
Methode“. So behauptet er, dass die
Anhänger des Positivismus glauben, dass das „menschliche Bewuss
tsein etwas leeres und
passives ist, in dem es nichts gibt, was bewusst gemacht werden sollte.“
Das Bankiers
Konzept betrachtet den Menschen als beeinflussbares und anpassbares
Wesen. So schreibt Freire:
„Das Bankiers
Konzept beruht auf der Voraussetzung
einer
Spaltung zwischen Mensch und Welt: der Mensch ist nur in der Welt, aber nicht mit der
Welt oder mit anderen. Der Mensch ist Zuschauer, nicht Neuschöpfer. In dieser Sicht ist
der Mensch nicht ein bewusstes Wesen, vielmehr ist er Besitzer eines Bewusst
seins: eines
leeren Sinnes, der dem Empfang von Einlagen an Wirklichkeit aus der Außenwelt passiv
offen steht.“
(
Freire, Pädag
ogik der Unterdrückten. S. 60f.)
Grundzüge der »Pädagogik der Unterdrückten«
Die wahre Berufung des Menschen ist nach
Freire
die Humanisierung. Da es Unterdrük-
kung gibt, sind Unterdrückte sowie Unterdrücker enthumanisiert und von sich selbst ent-
fremdet. »Die Revolution zielt auf die Befreiung der Unterdrückten, auf die Beseitigung der
Bedingungen möglicher Unterdrückung. Eben darum ist sie ein Bildungsproblem in
strengen Sinn.« (
Lange
1985, 18). Um die Unterdrückten zu befreien, entwickelte
Freire
seine Pädagogik und er gibt zu, daß sie eine politische Dimension hat: »Es gibt keine an-
dere als politische Pädagogik, und je unpolitischer eine Pädagogik sich versteht, desto
gefährlicher sind ihre politischen, ihre he
rrschaftsstabilisierenden
Wirkungen.
[…] Es kann
nur darum gehen, welche Politik ein Erzieher macht, die der Unterdrücker oder die der
Unterdrückten.« (
Lange
1985, 17) Mit diesem Zitat wird deutlich, daß Erziehung für
Freire
niemals neutral ist. Sein Grundsatz seiner pädagogischen Theorie ist: »Erziehung kann
niemals neutral sein. Entweder ist sie ein Instrument zur Befreiung des Menschen, oder
sie ist ein Instrument seiner Domestizierung seiner Abrichtung für die Unterdrückung.«
(
Lange
1985, 13). Diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch
Freires
Werk.

 

 


 

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